Die Zeit der Ackerhelden in Schermbeck

Der Herr der Felder: Biolandwirt Klaus Deiters vermietet  an Menschen, die hier eigenes Gemüse anbauen möchten. Wer Lust auf ein Selbstversorgerbeet hat - vier Stück sind aktuell noch frei.
Der Herr der Felder: Biolandwirt Klaus Deiters vermietet an Menschen, die hier eigenes Gemüse anbauen möchten. Wer Lust auf ein Selbstversorgerbeet hat - vier Stück sind aktuell noch frei.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Menschen aus Städten wie Oberhausen, Dorsten und Gladbeck kommen nach Schermbeck, um hier ihr eigenes Gemüse anzupflanzen. Für eine Saison gehört ihnen ein Acker, den Biolandwirt Klaus Deiters vermietet.

Schermbeck..  Es gibt Helden, die kämpfen gegen Drachen. Sie tragen glänzende Rüstungen und prächtige Schwerter. Andere kommen in Gummistiefeln daher, bewaffnet mit Harken und Eimern, um den Kampf gegen das Unkraut aufzunehmen. Seit Samstag sind in Schermbeck die „Ackerhelden“ los.

Zum zweiten Mal beteiligt sich Klaus Deiters neben seinem Bioland-Hof und dem Naturkostgeschäft an dem bundesweiten Projekt, das die beiden Essener Birger Brock und Tobias Paulert Ende 2012 gegründet haben. Sie vermieten Ackerstücke, auf denen die Kunden eine Saison lang ihr eigenes Gemüse hegen, pflegen und ernten können.

Rucola oder Unkraut?

Die Vorarbeit übernimmt der Biolandwirt, der einen Teil seines Ackers nicht nur verpachtet, sondern auch den Boden vorbereitet, die ersten Pflanzen einsetzt und für Wasser zum Gießen sorgt. Klaus Deiters stapft durch die mit Butter- und Pusteblumen übersäte Idylle am Buschhausener Weg.

Nicht mehr lange, dann wird der Pfad durch das Gras platt getreten sein – von den zehn Ackerhelden, die ihre Felder schon reserviert haben und ab sofort selber für das Gemüse zuständig sind. Sie kommen vor allem aus Städten wie Dorsten, Oberhausen und Gladbeck. Bis November dürfen sie sich auf der frisch hergerichteten Fläche austoben, die zwischen Wiese und Roggenfeld liegt.

Nächstes Pflanzpaket im Spätsommer

Wie sieht Fenchel aus, wenn er als Minipflanze aus dem Boden lugt? Oder Spitzkohl? Ist das Rucola oder doch Unkraut? Und welches sind die roten Zwiebeln? Gemüseneulinge müssen keine Prüfung ablegen, um ihr eigenes Feld zu beackern. Es ist kinderleicht, denn die vorgepflanzten Reihen sind mit Holzstöcken markiert, auf denen die Namen der verschiedenen Sorten stehen.

Rotkohl, Fenchel, Mangold, Salat, Spinat und Kartoffeln gehören zu den Bodenschätzen, die fürs Erste hier gedeihen sollen. Anfang Juni wird es dann ein weiteres Pflanzpaket mit Kürbis, Tomaten, Zucchini und Porree geben. Im Spätsommer folgen Wintersalate und Grünkohl.

Genug Gemüse für eine Saison

„Pro Saison bieten wir 35 verschiedene Gemüsesorten“, sagt Ackerhelden-Gründer Birger Brock. Die gemieteten Selbstversorgerfelder sind in der Regel 40 Quadratmeter groß. In Schermbeck sogar ein bisschen größer. Wenn alles gut läuft, wächst hier so viel Gemüse, dass sich drei bis vier Personen eine Saison lang gut satt essen können.

Das funktioniert allerdings nicht, wenn sich die Hasen über die frisch gepflanzten Sachen hermachen. „Alter Schwede! Die waren ja schon wieder hier drin“, sagt Klaus Deiters, und streicht mit der Hand durch das angeknabberte Grün. Ein kärglicher Rest von dem, was mal ein stattlicher Kohlrabi werden soll. Der Landwirt hat gegen die Hasen extra einen Zaun um das Feld gezogen. Die schlauen Tiere haben aber irgendwo einen Durchschlupf gefunden. „Da muss ich gleich noch mal nacharbeiten“, sagt Deiters.

Hasen machen Ärger

Und dann sind die Ackerhelden dran. Statt mit Schwertern sollten sie mit „Kulturschutznetzen“ anrücken, um die neuen Pflänzchen zu schützen. „Das ist das einzige, was wirklich hilft.“ Auf zwei der Parzellen sind schon Hüllen ausgebreitet. Hier ist besonders gut zu sehen, dass das Grün zurzeit im Turbogang wächst. „Es dauert nicht mehr lange, bis hier alles richtig grün ist“, schätzt Klaus Deiters, der sich aus Neugier um die erste Reihe selber kümmert, um mal zu schauen, wie die verschiedenen Sorten auf seinem Boden gedeihen, wenn sie vom Fachmann beackert werden.

Wer Lust auf ein solches Selbstversorgerbeet bekommen hat, kann sein Feld noch bestellen: vier Stück sind noch frei.