Die Weseler werden weniger

Von allen Weseler Stadtteilen verzeichnete Bislich im Berichtszeitraum den größte Bevölkerungsabnahme. Die Einwohnerdichte ist hier am geringsten.
Von allen Weseler Stadtteilen verzeichnete Bislich im Berichtszeitraum den größte Bevölkerungsabnahme. Die Einwohnerdichte ist hier am geringsten.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Neuer Bericht über die demografische Entwicklung in der Stadt sagt einen Rückgang der Einwohnerzahl auf gut 55 000 voraus, nennt aber auch Positives.

Wesel..  So ganz knapp liegt Wesel noch über der 60 000, aber die Prognose lautet, dass die Stadt schrumpft . Genauer: Ihre Einwohnerzahl. Bis 2030 auf nur noch gut 55 000. Begonnen hat dieser Prozess bereits, wie der jetzt vorgelegte fünfte Statistische Bericht über die demografische Entwicklung der Stadt zeigt. Nicht alle Stadtteile trifft er gleich. Bislich und Flüren verlieren am meisten, während Obrighoven-Lackhausen und Büderich gewachsen sind.

Statistisches Datenmaterial der Jahre 2008 bis 2013 liegt dem Bericht zugrunde. Es stammt überwiegend vom Landesbetrieb Information und Technik, teils auch von der Bundesagentur für Arbeit und von der Statistikstelle der Stadt.

Von 2008 bis 2013 ist die Bevölkerung in Wesel um rund 1,9 Prozent auf 60 070 Einwohner (Personen mit erstem Wohnsitz) gesunken. Geringfügiger als im gesamten Kreis Wesel (- 3,2 Prozent) und als landesweit (- 2 Prozent). Die Geburten gingen um 6,4 Prozent zurück, während die Sterbefälle um 21 Prozent zunahmen. Der Anteil der 16- bis 19-Jährigen sank um 17,8, der der 80-Jährigen und Älteren stieg um 9,6 Prozent.

Zu- und Abwanderung

„Es gibt eine große Bewegung in der Stadt“, sagt Bürgermeisterin Ulrike Westkamp zu den schwankenden Zu- und Abwanderungszahlen. Der Gesamtsaldo war 2013 mit 53 im Plus. „Gewinner“ waren Obrighoven-Lackhausen mit plus 27,1 und Büderich mit 15 Prozent, „Verlierer“ Bislich mit 10,2 und Flüren mit 9,1 Prozent Bevölkerungsrückgang. Bislich hat in Wesel die geringste Einwohnerdichte. Die Zahlen seien nicht überraschend. Die Versorgung vor Ort sei das entscheidende Kriterium, so die Bürgermeisterin dazu.

Wer Wesel dauerhaft verlässt, tut dies vor allem in Richtung Hamminkeln, Bocholt, Rees, Köln und Düsseldorf. Nach Wesel ziehen insbesondere Menschen aus Dinslaken, Voerde oder Duisburg. Zuzug erfolgt auch aus den Aufnahmeeinrichtungen für Asylbewerber in Hemer und Schöppingen.

6,3 Prozent Ausländer

Ziemlich konstant liegt die Zahl der Ausländer in Wesel bei 6,3 Prozent. Landesweit beträgt der Anteil 9,9 Prozent. Die türkische Staatsangehörigkeit ist in der Stadt mit 31 Prozent unter den Ausländern weiterhin am häufigsten, allerdings nimmt sie ab - aufgrund eines vermehrten Erwerbs der des deutschen Passest, wie die Bürgermeisterin meint, aber auch im Verhältnis zu anderen Nationalitäten, unter denen Menschen aus dem früheren Jugoslawien (16 Prozent), aus Polen (11 Prozent) und den Niederlanden (6 Prozent) am stärksten vertreten sind.

Es gibt zunehmend mehr Haushalte in Wesel, nämlich 11 294, und zugleich immer kleinere: Die Ein-Personen-Haushalte nehmen zu. Im Berichtszeitraum hat sich die Zahl der Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren fast und die der in Tagespflege betreuten Kinder mehr als verdoppelt Die Zahl der Plätze in den sechs Altenheimen beträgt unverändert 495.

Zufrieden ist Ulrike Westkamp mit der Entwicklung der Wirtschaft: Weniger Erwerbslose und Langzeitarbeitslose verzeichnet Wesel und eine deutlich über den Zahlen des Kreises und des Landes liegende Zunahme der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, nämlich um 12,2 Prozent.

In Sachen Bildung aufgeholt

2013 wechselten 30,7 Prozent der Grundschüler aufs Gymnasium, 26,8 Prozent zur Gesamtschule, 26,4 Prozent zur Realschule, 11,2 Prozent zur Hauptschule. Gut die Hälfte der Schülerinnen und Schüler hat in dem Jahr das Abitur erreicht. Seit 2009 liegt Wesel beim Anteil der allgemeinen Hochschulreife erstmals über dem Kreis- und Landesschnitt. Immer häufiger ist auch die Fachhochschulreife.

Neben der vielfach günstigen Position im Vergleich stimmen der positive Pendlersaldo, der Aufschwung beim Tourismus und die nach wie vor hohe Zentralitätskennziffer (von außen kommende Einkäufer) die Bürgermeisterin optimistisch. Der Bericht gebe wichtige Hinweise für weiteres Handeln, das unter anderem in Sachen Wirtschaft und Wohnen und in den Stadtteilen nötig sei.

Im Internet findet sich der Bericht zum Herunterladen auf der Seite der Stadt Wesel (www.wesel.de). Die Politiker und Politikerinnen des Stadtrates werden sich in dessen Sitzung am 3. März mit den Inhalten des Berichtes befassen.