Die Suche nach Schuldigen

Axel Stuck spricht Passanten an: Er glaubt, dass seine verstorbene Partnerin noch leben könnte, wäre sie richtig behandelt worden.
Axel Stuck spricht Passanten an: Er glaubt, dass seine verstorbene Partnerin noch leben könnte, wäre sie richtig behandelt worden.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Mit Flugblättern klagt Axel Stuck Ärzte und Pflegepersonal an: Er ist davon überzeugt, dass sie für den Tod seiner Lebensgefährtin verantwortlich sind

Wesel..  Donnerstagvormittag in der Fußgängerzone: Niemand dreht sich weg. Axel Stuck spricht Passanten mit einem Flugblatt an. „Es geht um das Marien-Hospital“, sagt er. Und: „Meine Frau ist tot.“ Die Menschen zeigen Anteil und Interesse. Der 59-Jährige ist verzweifelt, man sieht es ihm an. Er vermutet Pfusch, klagt Ärzte und Pflegepersonal an. Seine Lebensgefährtin (58) war am 30. Dezember wegen einer Bronchitis ins Krankenhaus gegangen und in der Nacht gestorben. Unerwartet, denn man habe ihr bei der Aufnahme noch gesagt: „In drei Tagen sind Sie wieder zuhause.“ Stuck hat eine Anzeige gegen Ärzte und Pflegepersonal wegen unterlassener Hilfeleistung erstattet. Ob die Staatsanwaltschaft Duisburg Ermittlungen einleiten wird, ist derzeit offen. Zumindest hat der Tod der Frau ein Aktenzeichen bekommen.

Der arbeitslose Speditionskaufmann fordert Aufklärung, fühlt sich abgewimmelt, beantragte eine Obduktion und erhält nach eigenen Aussagen nun die Ergebnisse nicht. Nach 23 Jahren Partnerschaft will er nicht einfach so aufgeben. Dennoch fühlt er sich dem Krankenhaus, aber auch den Hausärzten seiner Freundin gegenüber hilflos ausgeliefert: „Die mauern.“

Das Marien-Hospital sieht sich nach Angaben seines Sprechers Gerd Heiming an den Datenschutz gebunden: „Wir dürfen nichts sagen, so ist die Rechtslage“. Nicht öffentlich jedenfalls. Stuck hat eine Generalvollmacht der Tochter seiner Lebensgefährtin, und er fordert sämtliche Behandlungsunterlagen ein. Bislang vergeblich. Ob diese Papiere ihm den Seelenfrieden zurückgeben oder ihn endgültig rauben würden, weil er womöglich niemanden für seinen Verlust verantwortlich machen könnte?

Rechtliche Konsequenzen

Nachdem er sich an Polizei und Staatsanwaltschaft gewandt hat, greift der Weseler nun zu drastischen Mitteln. „Todes-Hospital“ ist auf dem Flugblatt zu lesen. Er nennt Namen einzelner Ärzte. Nach seinem Gang durch die Fußgängerzone („Ich hätte nie mit soviel Mitgefühl und Interesse gerechnet“) geht er direkt ins Marien- Hospital, verteilt auch dort seine Anklage, findet auch dort offene Ohren. „Nach zehn Minuten hat der Geschäftsführer sich vorgestellt, mich gebeten zu gehen und hinausbegleitet“, sagt er. Ganz ruhig sei das vonstatten gegangen. Axel Stuck genügen die Erklärungen der Ärzte nicht. Dass er die geforderten Papiere nicht erhält, ist für ihn ein Beweis dafür, dass es etwas zu vertuschen gebe: „Die haben meine Carola umgebracht.“

Dr. Johannes Hütte, Geschäftsführer des Marien-Hospitals, zeigt Mitgefühl mit dem persönlichen Schicksal des Mannes, doch das sei einfach nicht der richtige Weg. Über die Patientin darf er nicht sprechen, nur soviel, er vertraue auf die medizinische Qualität des Hauses. „Ich habe den Mann gefragt, ob ich etwas für ihn tun kann, ihm ein Gespräch angeboten“, sagt er. Das habe Stuck abgelehnt. Um seine Mitarbeiter, in dem Flugblatt namentlich genannt, zu schützen, habe Hütte Anzeige wegen übler Nachrede gestellt und Stuck des Hauses verwiesen. Die Akte könne er ihm nicht geben, sie liege bei der Staatsanwaltschaft.

Rechtliche Konsequenzen sind Axel Stuck „vollkommen egal“. Er will das Begonnene zu Ende führen. Nicht auf dem Grundstück des Marien-Hospitals, das nicht. Von Sonntag an will er davor seine Zettel verteilen. Das, glaubt er, sei er seiner Carola schuldig. „Es ist noch nichts zu Ende.“