Die Sorge sitzt mit im Boot
20.01.2012 | 17:58 Uhr 2012-01-20T17:58:00+0100
Wesel. Reisebüro-Kunden machen sich Sorgen um ihren Kreuzfahrt-Urlaub. Verstärkte Forderung nach Sicherheit der Seefahrt werden laut.
Die Schreckensnachrichten um das havarierte Kreuzfahrtschiff „Costa Concordia“ scheinen in weiter Ferne zu sein. Die Schuld des Kapitäns ist bislang unumstritten. Dennoch löst das Unglück vielerorts eine Diskussion über die Sicherheit auf See aus. So auch in Wesel.
Kerstin Schneider vom Apollo Reisebüro verzeichnete in den letzten Tagen vermehrt Anrufe besorgter Kunden: „Es wurden keine Reisen storniert, die Anrufer machen sich aber Sorgen. Sie fragen, ob ihre gebuchte Reise noch stattfindet und ob die Schiffe und die Routen sicher sind.“ Als Folge der medialen Präsenz des Unglücks blieben viele Buchungen in den letzten Tagen aus. „Die Reisen finden natürlich statt und die Boote sind nach wie vor sicher. Passieren kann überall was. Egal ob man im Auto, Flugzeug, Zug oder auf dem Schiff ist“, sagt Kerstin Schneider.
Weniger Neubuchungen
Die Meinung fällt eindeutig aus: Das menschliche Versagen sollte nicht die Diskussion bestimmen. Palm Heise vertritt als erster Vorsitzender des Yacht-Clubs Wesel e.V. diesen Standpunkt: „Das sind Profis. Da hat Leichtsinnigkeit nichts zu suchen. Im Club herrscht Unverständnis über das Verhalten des Kapitäns. So ein grober Fehler darf einfach nicht passieren.“ Dennoch ist bei den Gesprächen der Yacht-Freunde der Sicherheitsaspekt ein Thema: „Sicherheitsschulungen finden bereits beim Motorbootführerschein statt. Wir fühlen uns auf der See sicher. Es gibt keinen Grund, etwas an unseren Standards zu verändern“, so Heise.
Der Kapitän verlässt als letzter das sinkende Schiff, heißt es. Dies sei aber keine Rechtsverpflichtung, sondern ein Ehrenkodex, der die übergeordnete Verantwortung deutlich macht, die der Kapitänsberuf mit sich bringt, so der Verband Deutscher Kapitäne.
Die erste Regel im Notfall ist, dass man niemals ohne Anweisung der Crew von Bord gehen soll. Dies gilt nicht nur auf hoher See, sondern auch bei der Binnenschifffahrt.
Auf Nachfrage beim Weseler Fahrgastschiff „River Lady“ möchte man sich an dieser „lächerlichen Diskussion“ nicht beteiligen. Wobei diese Aussage von Seiten der River Lady nicht weiter erklärt wurde.
Die Einhaltung der Vorschriften werden von Klaus Penning von der Marinekameradschaft Wesel eingefordert: „Wir weisen bei unseren Aktionen immer auf die geltenden Sicherheitsbestimmungen hin und erklären jedem Gast die Funktionen der Schwimmwesten und wo man sie findet. Man ist auf diese Informationen im Notfall angewiesen; egal, ob auf hoher See oder bei der Binnenschifffahrt. Sie sind einfach notwendig“.
Kreuzfahrten bei Jung und Alt beliebt
Ein begründeter Appell, denn das Urlaubsgeschäft zu Wasser boomt. „Das Bild vom rüstigen Kreuzfahrt-Rentnerpaar stimmt nicht mehr. Sie sind bei Jung und Alt beliebt“, berichtet Kerstin Schneider. „Senioren buchen eher die ruhigeren Reisen. Bei dem jungen Publikum stehen die All-Inclusive Urlaube zur See hoch im Kurs“, so die Reisebüromitarbeiterin.
Um weiterhin das Vergnügen am Wassererlebnis zu gewährleisten, muss bei Kreuzfahrten verstärkt auf Sicherheit gesetzt werden. Diese Gemeinsamkeit mit der Binneschifffahrt lässt das Unglück der „Costa Concordia“ dann doch gar nicht so weit weg erscheinen.
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