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Fracking

„Die Sache ist nicht vom Tisch“

27.06.2013 | 20:02 Uhr
„Die Sache ist nicht vom Tisch“
Vor rund 60 Zuhörern aus Hamminkeln, Wesel und auch aus dem Reeser Raum auf dem Podium: Rainer Zawislo, Volker Fritz, Gabriele Obschernicat von der veranstaltenden IG Gegen Gasbohren sowie Bürgermeister Holger Schlierf (von links).Foto: Lars Fröhlich

Hamminkeln. Dass die Bundesregierung das Thema zunächst verklappt hat, könnte beruhigend wirken. Aber: „Die Sache ist trotz aller Moratorien nicht vom Tisch“, warnte Bürgermeister Holger Schlierf bei einer Fracking-Veranstaltung.

Lobbyisten seien am Werk, um das Bohren nach Gas voranzutreiben, Wertpapiere auf lukrative Erträge würden angeboten, sagte Schlierf im Bürgerhaus, in das die Initiative Gegen Gasbohren eingeladen hatte. Zwei Fachleute gaben Einblicke, rund 60 Zuhörer beteiligten sich teils rege.

„Die Landesbergämter machen es den Unternehmen leicht“, sagte Diplom-Ingenieur Volker Fritz vom Arbeitskreis Fracking Braunschweiger Land, wenn es um so genannte Aufsuchungserlaubnisse geht. Wer nach geeigneten Flächen für die Förderung von Gas im Erdreich suchen will, müsse kaum Qualifizierungsnachweise erbringen. Unter den Interessenten gebe es „reine Papiertiger“, werde mit personellen Tricks gearbeitet. Der Gesetzentwurf der Bundesregierung zum Fracking sei „nicht geeignet, das Grundwasser zu schützen“. In den Boden gepresste Flüssigkeiten wanderten auch Jahre später noch.

Der pensionierte, aber in der Sache intensiv engagierte Ingenieur ging auf Behauptungen der Fracking-Befürworter ein, um sie zu widerlegen. Eine Überbrückungsfunktion bis zur Energiewende und eine Verringerung der Importabhängigkeit beim Gas seien bei einer Abdeckung von lediglich fünf Prozent des jährlichen Gasverbrauches bundesweit durch Fracking keine überzeugenden Argumente, sagte er. Die behauptete Sicherheit existiere nicht, und Grundwasserschäden seien „nicht heilbar“. Umweltverträglichkeitsprüfungen seien keine Garantie, wenn nur entsprechend niedrige Maßstäbe angelegt würden.

An seinen Hinweis auf die Gefährlichkeit des so genannten Lagerstättenwassers knüpfte Rainer Zawislo an. Das zeige, so der Diplom-Bergingenieur außer Diensten, dass die Haltung auch von Politikern falsch sei, wonach Fracking lediglich unter dem Einsatz giftiger Stoffe von Übel sei.

Der Forderung, das Bergrecht müsse dringend geändert werden, hielt er entgegen, dass eher das Umweltrecht zu verschärfen sei, damit das gegenüber anderen Belangen starke Bergrecht nicht seine „Dynamik entfalten“ könne. In Hessen habe die CDU/FDP-Regierung bewiesen, dass auf seiner Grundlage Erlaubnisse für Unternehmen versagt werden könnten. Dort seien ablehnende Positionen von Gemeinden berücksichtigt worden, während sich Niedersachsen und NRW über die entsprechende Rechtslage hinweggesetzt hätten. Die Aktivierung von Bodenschätzen per Erlaubnis hält er verfassungsrechtlich für bedenklich. Er riet allen, sich auf das Umweltinformationsgesetz des Landes zu berufen, um der Bezirksregierung Fragen zur Fracking-Thematik vorzulegen.

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2013-06-27 20:02
Nachrichten aus Wesel, Hamminkeln und Schermbeck