Die Rückkehr der Quappe in den Rhein

Eine ausgewachsene Quappe kann mehr als einen Meter lang werden.
Eine ausgewachsene Quappe kann mehr als einen Meter lang werden.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Eine Million Larven des Raubfisches, der als Köstlichkeit gilt, wurden in der Lippe-Mündungsaue ausgesetzt. Die Quappe gehört in Deutschland zu den stark gefährdeten Tierarten und unterliegt deshalb in vielen Bundesländern fischereilichen Schonbestimmungen.

Wesel..  Kennen Sie eine Quappe? Nein, nicht die kleine Kaulquappe, aus der später mal ein Frosch wird, sondern der selten gewordene nachtaktive Raubfisch, der bis zu 150 Zentimeter groß und 34 Kilogramm schwer werden kann? Damit sich solche Fische, die in der Regel allerdings meist nur etwa 40 bis 60 Zentimeter groß werden, bald auch im Rhein bei Wesel tummeln, sind die Naturschützer jetzt aktiv geworden.

Die Quappe gehört in Deutschland zu den stark gefährdeten Tierarten und unterliegt deshalb in vielen Bundesländern fischereilichen Schonbestimmungen – 2002 war die Quappe sogar Fisch des Jahres.

Und nun soll diese Fischart, die in Nordrhein-Westfalen nur noch in der Lippe lebt, wieder groß rauskommen: „Wir haben am 30. März eine Million winzige Jungfische in der Lippe-Mündungsaue ausgesetzt“, erklärt Landschaftspfleger Gunnar Jacobs, was unternommen wurde, um die Population zu stärken. Dies war die erste Besatzaktion überhaupt in der neuen Aue. Mittlerweile seien die Quappen bereits etwa drei Zentimeter groß, erläutert Jacobs.

Wieviele der ausgesetzten Tiere durchkommen, lasse sich schwer vorhersagen, ergänzt der Landschaftspfleger. Nur soviel: „Die meisten werden nicht überleben und das Erwachsenenstadium nicht erreichen.“ Laut Jacobs stimme die Landschaft aber genau mit den Habitatansprüchen der Quappe überein.

In dem flachen Wasser auf kiesigem Grund findet die Jungfischpopulation ideale Bedingungen um heranzuwachsen und sich in Rhein und Lippe auszubreiten. „Wir hoffen, dass sie sich auch bis zur Stammpopulation den Lauf der Lippe hinauf ausstrahlt“, erklärt der Experte.

Etwa die Hälfte des rund 220 Kilometer langen Flusses müssten sich die Fische dann Richtung Mündung bewegen, um ihre „Verwandtschaft“ anzutreffen. Gelingt der Plan im Rahmen des Artenschutzprojektes des Lippeverbandes, dürfte dies vor allem Angler freuen, denn die Quappe ist der Fressfeind der aus dem Schwarzen Meer eingewanderten Grundel, die die hiesigen Fischbestände bedroht.

Vor der Industrialisierung war die Quappe in Rhein und Lippe weit verbreitet. Durch die starke Verschmutzung in den 1940er bis 1970er Jahren ist der Raubfisch im Rhein ausgestorben – in der Lippe gingen die Bestände stark zurück, ein paar Exemplare überlebten aber am Mittel- und Oberlauf. Mittlerweile haben sich aber die Bedingungen verbessert: Sowohl der Rhein als auch die Lippe sind für die Quappe wieder sauber genug. Gewässermeister Michael Schulte-Althoff und seine Kollegen setzten die Larven aus, die in einer Fischaufzuchtstation am Möhnesee gewonnen wurden.

Durch die Nähe zum Rhein erhoffen sich die Naturschützer, dass die Quappe in den großen Strom zurückkehrt. Doch zunächst brauchen die Quappen-Larven erst einmal eine möglichst ungestörte Zeit, um sich in der neuen Lippeaue südlich von Wesel zu entwickeln – ein weitere Grund, die Naturschutz-Beschränkungen in diesem Gebiet zu beachten.