Die Fensterläden des Künstlers
21.08.2009 | 18:53 Uhr 2009-08-21T18:53:00+0200
Norvin Leineweber präsentiert seine weißen Werke. Den Titel für die Schau lieferte ihm der Schweizer Geologe Necker
Wesel. Der Titel der neuesten Ausstellung des Niederrheinischen Kunstvereins könnte in die Irre führen: Die Läden des Louis Albert Necker. Dahinter verbergen sich nicht etwa hübsche kleine Geschäfte in irgendeinem französischen Dorf, vielmehr geht es um Fensterläden. Wer das Cen-trum betritt, kann damit schon eher etwas anfangen. Denn wie Fensterläden wirken manche der weißen Exponate von Norvin Leineweber.
Geboren in Rees, wohnhaft in Aachen
Der Künstler, der 1966 in Rees geboren wurde und in Aachen lebt, muss ein wenig ausholen, wenn es um die Erklärung seiner Arbeiten geht. Louis Albert Necker war ein Schweizer Geologe, der mit wissenschaftlicher Genauigkeit Kristalle zeichnete. Dabei stellte er plötzlich das unterschiedliche Aussehen seiner Werke fest: Mal wirkten die Kristalle konkav, mal konvex. Aus diesem Effekt wurde einst der Neckerwürfel, der in der Gestaltlehre ein Begriff ist. Leineweber begegnete in diesem Zusammenhang dem Würfel und forschte dann nach dessen Ursprung und damit nach seinem Namensgeber. Denn in seinen Arbeiten geht es immer um Kippmomente. Je nach Betrachtungsweise wirken die Werke unterschiedlich. Es handelt sich durchweg um eine Holzkonstruktion, die mit Wappenpappe und Nessel versehen ist und schließlich als oberste Schicht einen Marmorputz erhalten hat.
Leinewebers Arbeiten irritieren. Sie tragen Titel wie „Raumwinkel” oder „Untiefe” und verändern ihr Aussehen je nach Lichteinfall. Dabei geht es dem Künstler nicht um eine Art Verwirrspiel, sondern um das eigene Denken und Wahrnehmen. Das schulte der Meisterschüler von Günther Uecker, bei dem er von 1988 bis 1995 studierte, schon früh.
Schon als Schüler von Flügelaltären fasziniert
Bereits als Schüler habe er gern Ausstellungen im Weseler Centrum besucht, sei mit dem Fahrrad zu Kirchen nach Kalkar und Xanten gefahren, sagt er. Dort faszinierten ihn die vielen Flügelaltäre, die einst auch in großer Zahl den Willibrordi-Dom zierten. In Anlehnung daran schuf der Reeser ein Werk mit dem Titel „Fenestra”, das in gut einer Woche im Dom zu sehen sein wird (siehe nebenstehenden Kasten). Es ergänzt die Schau im Centrum und passt zu Ben Willekens' Altar, der sich seit vielen Jahren nach einem Projekt zum Stadtjubiläum in der Stadtkirche befindet.
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