Die drei Senioren
27.09.2007 | 19:39 Uhr 2007-09-27T19:39:49+0200WESELER VOLKSLIEDER. Johannes Fölting, Fritz Ridder und Norbert Jöhren frischen alte Weisen wieder auf. Vor dankbarem Publikum.
WESEL. Gut, die Backstreet-Boys sind sie natürlich nicht. Das musikalische Trio, bestehend aus Johannes Fölting (72), Fritz Ridder (68) und Norbert Jöhren (61), intoniert auch keine englischen Love-Songs, dafür kann das Trio aber etwas, was die Boy-Band garantiert nicht kann: Die drei stimmgewaltigen Senioren kennen noch die alten Weseler Heimatlieder mit Text und Melodie und bringen sie an den Mann. Oder die Frau.
Im Mehrgenerationenhaus begeisterten die "Weseler Jonges" das Publikum mit bekannten Seemanns-, Wander- und Volksliedern sowie Evergreens. Und mit nicht so bekannten Weseler Heimatliedern wie dem "Fusternbergerlied" oder "Vesalia Hospitalis". Die Zuhörer sollten und konnten selbst mitsingen, mitsummen oder brummen, Hauptsache sie machten mit.
Und wer bis dahin dachte, Volkslieder wären öde, der wurde eines Besseren belehrt: Die in edles Schwarz-Weiß gewandeten Sänger verhalfen den verstaubten Titeln mit Stimm- und Gitarrenkunst zu neuer Lebendigkeit und fanden zwischen den einzelnen Liedern Zeit, sich selbst oder das Publikum zu necken. "Wir sind zwar schon drin, trotzdem fangen wir mit ,Horch was kommt von draußen rein' an", sagte Norbert Jöhren vergnügt und griff beherzt in die Saiten.
Die Idee zu der kleinen Lieder-Truppe kam Johannes Fölting aus Langeweile. "Zuerst habe ich einen Englischkurs belegt, da war ich aber der Älteste und dachte mir, was sollst du hier eigentlich?", erzählte der Senior. Und da das Singen in irgendeiner Form sein ganzes Leben bestimmte, kam dem ehemaligen Büttenredner die Idee, mit seinen besten Freunden ein Heimatlieder-Trio zu gründen.
"Eigentlich mag ich ja lieber Popmusik, aber das gefällt mir auch ziemlich gut", sagte Michael Busch, einer der jüngsten Zuhörer im Mehrgenerationenhaus. Seine Frau hatte ihn mitgebracht, und er schien es nicht zu bereuen. "Es wäre allerdings schöner gewesen, wenn noch mehr Jüngere da wären", meinte Busch. Das fand auch Johannes Fölting, konnte aber verstehen, dass die Zuhörer durchweg Senioren waren. "Die Jungen haben was anderes zu tun. Textsicher sind sie außerdem auch nicht." (sh)
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