Die alte Esse glüht wieder

Schmieden nach alter Tradition.
Schmieden nach alter Tradition.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Am Sonntag zeigt Meister Bernd Buschmann sein Handwerk wieder in der Schmiede Kock. Auch das Bislicher Museum öffnet seine Pforten

Wesel..  Glühende 1150 Grad sind genau richtig, um Eisen zu formen. Erst qualmt die alte Esse unwillig, dann funktioniert der Abzug: Die Gerätschaften, mit denen Schmied Bernd Buschmann hantiert,sind alt, zum Teil rund 200 Jahre. Fast alle waren sie Teil der alten Schmiede Kock, die zu verfallen drohte, bis der Heimatverein Bislich das Häuschen am Deich aus dem Dornröschenschlaf holte.

Anfassen erlaubt

Jeden dritten Sonntag im Monat nutzt Bernd Buschmann die Gerätschaften so, wie es ihre Bestimmung ist, das nächste Mal am 17. Mai. Mit einer langen Zange, rund 20 davon hängen an der Wand, beginnt er, ein Abschrot aufzuarbeiten: Ein Werkzeug, um Material zu kürzen, „zum Abschroten eben“, sagt der 54-jährige. Er wird die öffentlichen Schmiedetermine des Heimatvereins dazu nutzen, das Arbeitszeug zu reparieren und zu ergänzen. „Wenn noch Zeit ist, könnte ich einen Feuerkorb schmieden“, überlegt er laut. Der Mann verbrennt sich nicht. Erstaunlich kühl liegt die eiserne Zange in der Hand.

Ein Besucher nimmt den Schmiedehammer und schlägt auf den alten Amboss. Anpacken ist in Ordnung an diesem Tag. Trotzdem verzieht der Schmied das Gesicht. „Das geht so nicht. Da muss Eisen dazwischen sein“, erklärt er.

Immer mal wieder steigen Leute vom Rad, treten ein, stellen Fragen, staunen. Peter von Bein ist da, Leiter des Heimatmuseums Bislich, und Franz Schweers vom Heimatverein, unter dessen Regie die Sanierung lief. Angepackt hat er immer, betont er. Inzwischen hat die Schmiede auch einen Pferdeunterstand aus Holz hinterm Haus, ganz wie früher.

Die Arbeitstiere, deren Schuhe unter den alten Dachsparren hängen, leben schon lange nicht mehr. Ein Schmied war wichtig für das Dorf, er hatte so viel mehr Aufgaben, als nur die Pferde zu beschlagen. Sämtliche landwirtschaftlichen Geräte wurden in der Schmiede in Schuss gehalten. „Beim Schmieden selbst hat sich wenig verändert“, sagt Buschmann. Noch immer ist das Arbeitszeug das gleiche, bloß die Hämmer, die haben sich verändert, lange nachdem Johann Heinrich Kock 1812 seine Elisabeth Ostermann, die Tochter des Bislicher Schmieds, heiratete. Zunächst wurden sie mit Wasserkraft betrieben, heute mit Strom. In Bislich ist weiter Muskelkraft gefragt. „Nehmen Sie doch mal den großen Schmiedehammer...“