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Des Zaren Gaumenfreuden

15.02.2016 | 17:30 Uhr
Des Zaren Gaumenfreuden
Edle SpeisenFoto: Markus Weissenfels

Wesel.   Barbara Hornemann zeigt die schönsten Speisekarten ihres Großvaters - im Rahmen der Reihe "Mein kleines Hobby“ in der Weseler Stadtbücherei.

Heinrich Pieper war Hofkoch des Grafen von Schlitz in Darmstadt. Im 19. und 20. Jahrhundert hatte er die Ehre für die größten Staatsmänner und -frauen seiner Zeit zu kochen. Seine Enkelin, die Weselerin Barbara Horne­mann setzt ihrem Großvater zu Ehren ein Denkmal, zeigt die Schönsten seiner Speisekarten in der Stadtbücherei.

Erlesene Speisen, feinste Getränke

Als Amuse Gueule eine Kraftbrühe nach Nizzaer Art, daraufhin serviert der Ober im elegant-gediegenen schwarzen Frack einen Salm nach Richelieu, gefolgt von einem garnierten Rehrücken und einer delikaten Feldhühnerpastete in Gelee gefasst. Unterbrochen werde der Gaumenschmaus von einem gekühlten Kaiserpunsch, nach dem dann mit Masthuhnbraten begleitet von grünem Salat und Spargel langsam das Ende des Menüs eingeleitet werde. Als Dessert erlabe man sich an Gefrorenem mit Früchten und einem Käsetörtchen.

Ein Menü, welches das Wasser im Munde eines jeden Gourmets zusammen laufen lässt. Erlesene Speisen, edle Getränke, würdevolles Ambiente...und das alles auf einer Speisekarte. Einer sehr alten Speisekarte. Genau 108 Jahre ist sie alt. Am Freitag, den 29. Mai 1908 geschrieben, damit Nikolaus II., der damalige Zar von Russland wusste, welch erlesene Köstlichkeiten in Kürze seine Sinne betören werden.

Die Speisekarte des Zaren ist nicht die einzige, die ab heute in der Stadtbücherei ausgestellt wird. Entstanden ist das Projekt aus einem Zufall. Bibliotheksleiter Wolfgang Berg hatte mit Barbara Hornemann über alte Speisekarten gesprochen und nachdem sie beiläufig fallenließ, dass ihr Großvater ja der Hofkoch zu Darmstadt gewesen sei und viele der alten Karten noch in ihrem Besitz schlummerten, wurde sogleich die Ausstellung festgezurrt.

In zwei mehrstöckigen Vitrinen sind die royalen Menüfolgen im zweiten Stock der Bibliothek ausgestellt. Darunter einige Schätze, wie zum Beispiel eine Speisekarte, die vor den Tellern im Buckingham Palace lag und damit dem britischen König Eduard VII. zur Information gereicht wurde. Auch bemerkenswert: Eine Aquarellzeichnung des Zaren Nikolaus II., die er Hofkoch Heinrich Pieper als Präsent überreichte. Sie zeigt die Rheinfelsen und ist vom Zaren höchstselbst signiert und gemalt.

Es sind die Feinheiten und kleinen Geschichten rund um die Speisekarten, die die Ausstellung so bemerkenswert machen. So berichtet Barbara Hornemann gerne kurze Anekdoten von ihrem Opa: „Mein Großvater erzählte immer, dass nicht das Kochen selbst das Hauptproblem war um die Bekochten glücklich zu machen, sondern das Essen warm zu Tisch zu bringen.“ Die Krux: Die Küche war selten in direkter Nähe zum Speisesaal gelegen. So mussten die Mahlzeiten in höchster Eile und verhülltem Servierwagen zum Speisesaal gebracht werden.

Die Ausstellung „Speisekarten vom Hofkoch von Darmstadt“ ist noch bis zum Montag, 4. April in der Stadtbücherei Wesel, Ritterstraße 12, zu sehen. Öffnungszeiten gemäß der Stadtbücherei (Dienstag bis Freitag, 10.30 - 18.30 Uhr und Samstags 10 bis 13 Uhr).

Dominik Göttker

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2016-02-15 17:30
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