Der Wochenmarkt als Treffpunkt der Weseler

Der Große Markt auf einen Blick: Das denken die Händler und Passanten.
Der Große Markt auf einen Blick: Das denken die Händler und Passanten.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
An jedem Mittwoch und Samstag stehen die unterschiedlichsten Händler auf dem Großen Markt. Doch der Wochenmarkt ist nicht nur eine Einkaufsmeile, sondern auch ein beliebter Ort, um sich auszutauschen.

Wesel..  Wenn das mal kein ideales Markt-Wetter ist: Die angenehme Morgensonne wärmt die noch dick eingepackten Besucher auf dem Großen Markt, der leichte Wind wirbelt den Geruch von frischen Erdbeeren, kräftiger Linsensuppe und aromatischen Gewürzen durch die Luft.

Es verspricht, ein schöner Tag zu werden – für die Gemüse-, Obst- und Blumenhändler, für die Bäcker, Fleischer, die Fisch- und Stoffverkäufer, die ihre Wagen und Anhänger in U-Form positioniert haben, so wie jeden Mittwoch. Wenn der Große Markt zum Treffpunkt der Weseler wird.

Um 9 Uhr füllt sich der Markt

Seit sechs Uhr in der Früh stehen die ersten Markthändler im Schatten des Willibrordi-Doms und präsentieren ihre Ware. Gegen 9 Uhr füllt sich der große Platz zusehends. Radler aus allen Richtungen steigen von ihren Fährrädern, klemmen sich Körbe unter die Arme und trotten gemütlich über den Wochenmarkt, vorbei an Käse, Brot und Eiern – vorbei an Angelika Jansen, Reiner Tyrolf und Andrea Scholten.

Seit 25 Jahren steht Angelika Jansen auf dem Markt und bringt Edamer, Gouda, Frisch- und Weichkäse unter die Leute. An den muffigen Geruch von Tilsiter und Co hat sich die gelernte Bäckereifachverkäuferin mit den kurzen braunen Haaren schon längst gewöhnt. „Nur mein Mann sagt manchmal noch: ‘Du stinkst nach Käse.’“ Die 53-Jährige muss lachen, böse ist das natürlich nicht gemeint.

Gouda geht immer

Sie mag ihren Beruf, das sieht man. „Hier auf dem Markt, das ist wie eine kleine Familie. Die Leute möchten immer gerne ein bisschen quatschen.“ Und bestellen. Zehn Scheiben Gouda wünscht eine ältere Dame, „geben Sie mir doch lieber zwölf.“ Gouda geht eben immer, sagt Jansen.

Das Pendant finden Marktgänger bei Reiner Tyrolf, der Brotlaibe verkauft. Der „Lange Lulatsch“ ist schon weg, „Reines Roggen“ findet sich noch genügend in dem kleinen, orangenen Brot-Wagen. Reiner Tyrolf lugt skeptisch an seiner beigen Sportkappe vorbei, rauf zum blauen Himmel. „Perfektes Marktwetter? Heute ist Pflanzenwetter“, urteilt der 49-Jährige. „Dann gehen die Leute lieber in den Garten.“

Perfektes Marktwetter gibt es nicht

Regen geht aber auch nicht: Trocken müsse es sein, nicht zu warm, nicht zu kalt. Der Brotverkäufer mit der blauen Schürze lächelt. „Uns Händlern kann man es eben nie recht machen. Irgendwen müssen wir ja für den Umsatz verantwortlich machen.“ Reiner Tyrolf muss weitermachen, er hat viel zu tun.

Rentner Dirk Schmitz hat sich bei ihm eine Käse-Schinken-Stange besorgt. „Für meine Frau. Die isst die Dinger so gerne.“ Für die Frau gibt’s auch Erdbeeren, „die hat nämlich einen Kuchen in der Mache. Für den Enkel, der wird morgen zwölf.“

70 Jahre Markterfahrung

Und was kommt heute auf den Tisch? „Kartoffeln“, sagt der 77-Jährige, präsentiert einen voll gepackten Plastikbeutel und trabt langsam davon. Nicht ohne einen kurzen Blick auf die Eierberge zu werfen, die sich vor Andrea Scholten auftürmen.

3000 große und kleine, braune und weiße Eier, mit einem oder zwei Dotter, hat sie heute morgen angekarrt. Andrea Scholten ist neu im Eier-Geschäft. „Eigentlich gehöre ich zu den Blumen“, sagt sie und deutet auf den bunten Stand schräg gegenüber. Aber Frau Berning, die Besitzerin des Eierstandes, der schon 70 Jahre Markterfahrung auf dem Buckel hat, brauchte Unterstützung.

Kundenkontakt muss sein

„Ich bin da flexibel“, mittwochs ist sie die Eierfrau, samstags das Blumenmädchen. „Da ist es farbenfreudiger. Man gerät ganz anders ins Gespräch mit den Menschen.“ Bei Eiern brauche eben so gut wie niemand eine Beratung.

Andrea Scholten zündet sich eine Zigarette an, zum Rauchen kommt sie allerdings selten, die Kundschaft wartet. Heute ist viel zu tun, gleich ist Feierabend, „dann gibt es erstmal Kaffeepause.“ Denn die ist bei den Händlern eher selten, vor allem bei solch einem mehr oder weniger idealen Markt-Wetter.