Der Stein des Anstoßes

Schermbeck..  Was für ein Projekttag! Eigentlich arbeiten die Schüler der Gesamtschule Schermbeck ja einmal im Jahr an einem besonderen Thema, das zu ihrem Motto „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ passt und stellen die Ergebnisse ihrer Arbeiten zum Abschluss in der Aula vor. Aber so beeindruckend wie in diesem Jahr war der Aktionstag noch nie. Schließlich wird nicht alle Tage passend zur Präsentation ein mehr als 3000 Kilogramm schweres Originalstück der Berliner Mauer per Kran auf das Schulgelände gehievt (Foto siehe NRZ vom 16. Juni).

Bürgermeister Mixe Rexforth gesellte sich gestern zu den Schülern und enthüllte das steinerne Mahnmal deutscher Geschichte, das der aus Schermbeck stammende Berliner Unternehmer Elmar Prost seiner Heimatgemeinde geschenkt hat. Wie gut die Idee war, dem gewichtigen Geschenk einen Platz auf dem Gelände der Gesamtschule zu geben, das zeigte sich gestern bei der Diskussion mit den Schülern. Sie hatten sich angeregt durch das Stück Stahlbeton aus Berlin nicht nur intensiv mit Mauerfall und DDR auseinandergesetzt, sondern auch eine Brücke in die Gegenwart zur aktuellen Flüchtlingsthematik geschlagen. Dabei interviewten sie zu beiden Themenkomplexen in der Aula neben dem Bürgermeister als „Zeitzeugen“ auch drei Lehrer, die in der DDR aufgewachsen sind.

„Das Thema war bisher bei uns ehrlich gesagt nicht so präsent“, sagte Schülersprecherin Nele Vennemann. Und so erfuhren sie von den vier Lehrern auf dem Podium, wie das war, als sich das Reisen auf den Urlaub an der deutschen Ostsee beschränkte, als man beruflich nur dann eine Chance hatte, wenn man der passenden Partei beitrat, als die Furcht vor der Stasi die Menschen enger zusammen rücken ließ und als sich Lehrer Matthias Frost, der damals noch Student war, nach der Öffnung der Mauer als allererstes ein „Twix“ und ein Paar Turnschuhe kaufte.

„Die Freiheit, die wir heute haben, sollten wir genießen, denn für viele ist das nicht selbstverständlich.“ Mit diesen Worten fasste die Schülersprecherin die Haupterkenntnis des Projekttages zusammen. „Was ist mit den Millionen von Flüchtlingen auf der ganzen Welt? Auch hier in Deutschland führen wir absurde Diskussionen über Finanzierung und Unterbringung von Flüchtlingen“, so Mike Rexforth in der intensiven und konkret auf Schermbeck bezogenen Gesprächsrunde.

Auf die Frage der Schüler, was sie denn tun könnten, um die Situation zu verbessern, stand am Ende eine einfache Antwort des Bürgermeisters: „Die Leute auf der Straße grüßen, ihnen offen begegnen und vielleicht einfach mal zeigen, wo sie hier günstig einkaufen können.“