Der schnellste Läufer unter den Comedians

Olympiasieger Dieter Baumann (grünes Shirt, vorne in der Mitte) rannte vor seinem Comedy-Auftritt zusammen mit heimischen Läufern um den Auesee.
Olympiasieger Dieter Baumann (grünes Shirt, vorne in der Mitte) rannte vor seinem Comedy-Auftritt zusammen mit heimischen Läufern um den Auesee.
Foto: Foto: Johann Ridder / FUNKE Foto
Was wir bereits wissen
Dieter Baumann, zweimaliger Olympiasieger über 5000 Meter, will 2016 wieder nach Wesel kommen.

Wesel..  Unter Läufern ist man „per Du“. Läufer sind schon eine eigene Sportler-Spezies. Da gibt es die Statistikfreaks, die alle Zeiten, Daten und Fakten zu Sportlern und sportlichen Events auswendig wissen oder die Selbstdarsteller, die Entertainer, die nicht nur in der Sportarena ihre Bühne brauchen. Dieter Baumann gehört wohl eher zur zweiten Kategorie, denn immerhin zog es ihn nach seiner Karriere als Langstreckenläufer und Trainer auf die Comedy-Bühne. Am Donnerstagabend war er mit seinem Programm „Dieter Baumann, die Götter und Olympia“ zu Gast im Scala Kulturspielhaus.

Schon am Nachmittag hatten die Lauffreunde Hadi zum gemeinsamen Läufchen mit Baumann um den Auesee geladen. Frei nach Baumanns Motto: Laufen kann jeder (siehe Extra-Text). Und so wundert es nicht, dass auch am Anfang seiner Bühnenshow am Abend zunächst einmal der aktuelle Leistungsstand des Publikums abgefragt wurde. Wie viele Marathons man denn schon gelaufen habe, wie schnell man die zehn Kilometer läuft und, eine nicht unbedeutende Information, dass „Walken mit Stöckern“ nicht zählt, was vor allem Zuschauerin Erika leidvoll an diesem Abend erfuhr, wenngleich die taffe Seniorin Baumann zu verstehen gab, dass er das mit 75 Jahren erst mal nachmachen müsse.

Und dann legt Baumann richtig los. Erzählte vom Leben im olympischen Dorf, von seiner Leidenschaft, dem Sammeln von Anstecknadeln verschiedener Länder, und dass es auch dabei auf die Beziehungen ankommt. Er berichtet davon, wie es ist, wenn rund 11 000 Sportler für drei Wochen auf engstem Raum zusammenleben, alle bereiten sich auf den Tag ihres Lebens vor. „Das ist pure Emotion“, weiß er. Abhilfe sollen wohl da die fünf Kondome verschaffen, die jeder Athlet in seiner Nachttischschublade vorfindet. Am Abend treffen sich dann die Gewinner und Verlierer wieder. „Die einen machen eine Freudenparty, die anderen schieben Frust“, sagt er, wobei es mit seinem schwäbischen Akzent „Fruscht“ heißt. „Irgendwann vermischt sich die Siegesfeier mit dem Frustsaufen“, weiß Baumann, eben „Hauptsache Party im olympischen Dorf“. Als Langstreckenläufer kam er immer erst am letzten Tag dran. Das bedeute viel Langeweile und vor allem viel Zeit, die Menschen zu studieren.

Während Baumann seine Anekdoten erzählt und auch auf Publikumsfragen, zumindest teilweise und selten ernst, eingeht, streut er immer wieder kleine Spitzen gegen die Funktionäre des IOC, die er als „die Götter“ bezeichnet, ein. Er berichtet von absurden, der Fifa ähnelnden Strukturen, die unter anderem im afrikanischen Trainingslager für europäische Läufer zu finden sind. „Das ist Entwicklungshilfe mal anders.“ Auch auf seine eigene Marathon- und Zahnpasta-Vergangenheit geht er mit viel Witz und Selbstironie ein. Bis er sich schließlich sogar noch zu einem kleinen Versprechen hinreißen lässt. Wenn er nicht gerade ganz woanders unterwegs ist, kommt er am 20. Mai zum Moonlight-Lauf anlässlich des Stadtjubiläums wieder nach Wesel – aber nur gegen Anstecknadel.