Der Rhein verzeiht keine Fehler

Ausbildung liegt Dieter Vorholt (rechts) am Herzen: Das Foto entstand 2013 mit Andreas Terhorst, Dirk Henrichs, Maik Kraft, Yasin Catagay (von links).
Ausbildung liegt Dieter Vorholt (rechts) am Herzen: Das Foto entstand 2013 mit Andreas Terhorst, Dirk Henrichs, Maik Kraft, Yasin Catagay (von links).
Foto: Peggy Mendel
Was wir bereits wissen
Seit 1982 war Dieter Vorholt für das Feuerwehrlöschboot verantwortlich. Jetzt geht der 60-Jährige in den Ruhestand.

Wesel..  Auf dem Wasser ist alles anders. Wenn das einer weiß, dann Dieter Vorholt (60). Der Feuerwehrmann ist seit 1982 mit dem Löschboot auf dem Rhein unterwegs. „Die Lage kann sich sekündlich verändern. Fehler sind schwer wieder hinzubiegen“, sagt er. Jetzt ist Dienstschluss, Vorholt geht in den Ruhestand.

Was ist das für eine Arbeit, so als Feuerwehrmann auf dem Wasser? „Bei einer Nebelfahrt können Sie eine Stecknadel im Boot fallen hören.“ Statt sich wie sonst zu unterhalten, sind die Männer dann hoch konzentriert. „Es ist wie ein schneller Blindflug.“ Und ein Bootsführer trägt Verantwortung für Leib und Leben seiner Mannschaft. Manche Tage bleiben in Erinnerung.

Da war dieser Einsatz bei stockdunkler Nacht: Auf einem Küstenmotorschiff war ein Besatzungsmitglied schwer erkrankt. „Wir sind mit dem Löschboot und der Notärztin raus“, erinnert er sich. Von dem kleinen Boot bei voller Fahrt über eine schwankende Strickleiter auf das hohe Schiff – eine heikle Angelegenheit. „Der hat seine Fahrt einfach fortgesetzt...“ Binnenschiffer stehen unter Zeitdruck. Es ist gut gegangen.

Das war eilig

In einem Flur der Feuerwache, dort, wo die Feuerwehrleute ihre Ruheräume haben, hängt das Foto einer lächelnden Frau mit Baby. Ein Dankesschreiben. „Das war am 31. Oktober 2009“, sagt Vorholt. Auf einem Binnenschiff bekam eine Schwangere vorzeitige Wehen. Vorholt, seine Mannschaft auf dem Boot und das Rettungsteam an Land gewannen das Rennen gegen die Zeit. Die kleine Julia konnte im Krankenhaus zur Welt kommen. Ein Lichtblick.

Feuerwehrmann ist Dieter Vorholt schon seit 1972, und er kam dazu wie die Jungfrau zum Kind. „Ich wollte mir in Hamminkeln eine Jeans kaufen“, erinnert er sich. Flugs probierte der Junge ein paar Hosen an. „Du bist so schnell, du solltest zur Feuerwehr kommen“, meinte der Verkäufer. Ludger Bückmann war das, Ausbilder der Jugendfeuerwehr. So begann ein Berufsleben in der Umkleidekabine. Der gelernte Karosseriebauer trat 1972 ein. 1979 wurde er hauptberuflicher Feuerwehrmann der Stadt Wesel. Es folgten zahlreiche Lehrgänge, Ausbildungen, Beförderungen. Und der Wechsel aufs Wasser 1982.

Sein Feuerbootpatent ist gültig auf dem Rhein von Neuss bis zum offenen Meer. Und Vorholt, ein ruhiger, gewissenhafter Typ, bildet Nachwuchs aus. „Bis heute habe ich 16 Anwärter bis zum Patent geführt“, sagt er. Vier Jahre dauert eine solche Ausbildung. Auch im Ruhestand wird er weiter Einfluss auf den Nachwuchs haben: Der Rheinatlas, der nach wie vor Grundlage ist, stammt von ihm.

Ein Berufsleben auf dem Rhein bringt nicht nur Erfolge. Manchmal kann man nicht retten, nur noch bergen. Wie im Juli 1991, als eine Weseler Motoryacht nachts mit einem Frachter kollidierte. Zwei Frauen starben in der Yacht, Personen trieben auf dem Wasser vor der Grav-Insel. Die Feuerwehrleute suchten mit Flutlicht nach den Opfern, barg einen Toten. Oder das Unglück im März 95, als ein Seil bei Hochwasser am Xantener Anleger riss, die Frau eines Binnenschiffers, ihre kleine Tochter und ein Matrose ums Leben kamen. Den toten Mann konnte die Besatzung bergen, Frau und Kind wurden Tage später in Holland gefunden. Sowas vergisst niemand, der dabei war.

Zeit für den Garten

Nun steht der Ruhestand an für Feuerwehrmann. Ein großer Garten wartet auf Dieter Vorholt, seine Frau und seine Tochter. Ein wenig Feuerwehr darf schon noch sein, seine Erfahrungen gibt er in einer Arbeitsgruppe es Innenministeriums weiter.