„Der Neue“ musste Schlips lassen

Zahlreiche bunt kostümierte Möhnen feierten im Weseler Rathaus mit
Zahlreiche bunt kostümierte Möhnen feierten im Weseler Rathaus mit
Foto: FUNKE Foto Services / Gerd Herma
Was wir bereits wissen
Beim traditionellen Rathaus-Sturm feierte die Weseler Verwaltungsspitze mit zahlreichen Möhnen. Der Erste Beigeordnete Daniel Kunstleben opferte seine Krawatte.

Wesel..  Besser hätte sein Timing wohl kaum sein können: Noch keine zwei Wochen im Amt, gerade pünktlich vor den jecken Tagen sein neues Büro im Weseler Rathaus bezogen, da stand am Donnerstag auch schon gleich die erste ganz große Aufgabe für den neuen Ersten Beigeordneten Daniel Kunstleben an. Obwohl – genau genommen musste der 34-Jährige selbst gar nicht viel tun, dafür aber einiges mit sich machen lassen. Denn in einem Rathaus, in dem sich die Bürgermeisterin am Altweiber-Donnerstag regelmäßig mit den Möhnen verbündet, muss dann nun mal der Mann an ihrer Seite dran glauben und Schlips lassen.

Daniel Kunstleben nahm’s gelassen. Was blieb ihm auch anderes übrig, als Ulrike Westkamp unter dem Jubel der zahlreichen bunt verkleideten Möhnen im Rathaus-Foyer verkündete, sie habe „heute an meiner Seite einen neuen Mann, der für mich Kopf und Krawatte hinhalten kann.“ Und als gleich darauf Prinzessin und Obermöhne Kristin I. mit der Schere auf ihn zukam, wusste Kunstleben wohl, dass eine Flucht sowieso aussichtslos sein würde, auch wenn seine Chefin vermutete: „Ich glaube, er würde lieber Akten studieren, anstatt sich mit wilden Weibern zu amüsieren.“ Nichtsdestotrotz bewies der Beigeordnete Humor, schunkelte und sang kräftig mit und hatte bei den Möhnen spätestens dann einen Stein im Brett, als Ulrike Westkamp versprach: „Daniel Kunstleben wird mich im Amt unterstützen und heute fleißig alle Weselerinnen bützen.“

Gebützt wurde beim Rathaussturm – wie es sich im Karneval gehört – eine Menge, aber auch kräftig zu jecken Liedern gesungen, geschunkelt und getanzt, mit dem ein oder anderen gekühlten Getränk angestoßen. Kurz gesagt: Die Stimmung zum Start in das närrische Wochenende war super.

Das fand auch Prinzessin Kristin, die in ihrem Möhnenkostüm erst auf den zweiten Blick zu erkennen war und kräftig mit den Weseler Damen feierte. Dass dabei in ihrer Ansprache an die verkleideten Möhnen die Männer ihr Fett weg bekamen, gehört ja dazu. Ihr Leben als Prinzessin habe sie sich anders vorgestellt, sagte Kristin. „Ich dachte, die Männer würden mich auf Händen tragen, aber sie tun nur noch mehr Blödsinn sagen“, reimte sie. Mit dem symbolischen Rathaus-Schlüssel in der Hand wurde die Prinzessin dann aber versöhnlich und forderte die Möhnen auf, nicht zu sehr über die Männer zu klagen. „Wir können sie doch ganz gut vertragen.“