Der neue Esel von Wesel ist Minister

Bei der Verleihung des Eselordens der Stadt Wesel an den NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (2. von linksl) sprach auch  Bürgermeisterin Ulrike Westkamp (am Mikrofon).
Bei der Verleihung des Eselordens der Stadt Wesel an den NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (2. von linksl) sprach auch Bürgermeisterin Ulrike Westkamp (am Mikrofon).
Foto: Funke Foto Services
Michael Groschek wurde mit dem Eselorden ausgezeichnet. Rund 1000 Jecken feierten mit.Einige Tische in der Niederrheinhalle blieben leer.

Wesel..  Die Sonne war schuld. Nur so lässt sich erklären, dass auf der großen Weseler Karnevalssause in der Niederrheinhalle Sonntag einige Tischreihen freiblieben.

Und diejenigen, die den Genuss des Wetters der Eselordenverleihung 2015 vorzogen, bekamen nicht mit, wie sich der diesjährige Preisträger auf der 39. Verleihung den Segen von Bürgermeisterin Ulrike Westkamp abholte.

Michael „Mike“ Groschek heißt der Ordensträger, seines Zeichens NRW-Minister für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr. Allein dieser Titel sei schwierig genug, sagte Ulrike Westkamp in ihrer Rede. Doch, um die berüchtigte Weseler Auszeichnung zu bekommen, bedarf es schon einer etwas weitreichenderen „Eselei“.

Und die fand die Bürgermeisterin in einem Projekt, das sich seit einer gefühlten Ewigkeit in die Länge zieht. „Wie Kaugummi“ dehne sich der Bau der Südumgehung zur Entlastung der Innenstadt, und das, obwohl die Weseler „händeringend“ darauf warteten.

Die Kritik müsse er schon verknusen können, sagte das Stadtoberhaupt mit einem Augenzwinkern, als Zeitsoldat bei der Marine seien ihm „raue See und starker Gegenwind“ schließlich bekannt.

Auch ernste Töne

Die verbale Bugwelle brach sich am Minister, der gelassen lächelnd auf dem bunten Esel saß und sich bereitwillig anhörte, was seine SPD-Genossin zu sagen hatte. Zum Beispiel, dass er sich doch bitte in Sachen Betuwe-Linie für die Interessen der Bürger einsetzen möge. Allerdings fand Ulrike Westkamp auch lobende Worte für den frischen Ordensträger.

So habe Groschek ihr „Herz im Sturm erobert“, als der gebürtige Oberhausener die neue Weseler Fußgängerzone als Champs-Élysées des Niederrheins bezeichnete. Auch dass er sich für die Belange der Menschen vor Ort interessiert, rechnete Westkamp dem Minister hoch an. Und grundsätzlich könne man einen Minister immer gut gebrauchen – zum Beispiel zum Einwerben von Fördermitteln.

Dass er bei all dieser Lobhudelei ausgerechnet für eine „Eselei“ ausgezeichnet wurde, machte dem passionierten Karnevalisten Groschek nichts aus.

In Schaffner-Uniform war er zuvor mit Tusch und Trara des Spielmannszugs Lackhausen und in Begleitung der Tanzwiesel, der Tanzgarde der Kolpingsfamilie, der Prinzengarde, der Osterfelder Karnevalsgesellschaft sowie zweier Tanzmariechen links und rechts durch den Saal und auf die Bühne marschiert und hatte sich schon dadurch als des Eselordens würdig erwiesen.

Und der Politiker, der als Ordensträger auf Comedian und Schauspieler Michael Kessler folgt, machte in seiner Rede keine Anstalten, um sich ernsthaft zu rechtfertigen. Wichtiger schien es ihm, auch ­ernste Töne anzuschlagen.

Und so thematisierte er auch die Diskussion um die Wagenpolitik im rheinischen Karneval und kritisierte die Kölner Karnevalisten, die ihren Charlie-Hebdo-Wagen gestrichen hatten.

Neun bunte Cupcakes feierten mit

„Nur weil wir die Freiheit lieben, sind wir Charlie geblieben“, sagte Groschek und erntete dafür starken Applaus von rund 1000 Jecken im Saal, die sich in der Kostümwahl erneut sehr kreativ zeigten. Absoluter Blickfang an diesem Mittag: die neun bunten Cupcakes, die mit weißen Pagenköpfen und in Tüll ­gewickelt in der Mitte der Niedrrheinhalle saßen.

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