Der Netzwerker

Schermbeck..  Als man Wilfried von Krosigk vorschlug, den Vorsitz des neuen Seniorenbeirats zu übernehmen, zögerte er zunächst. Er engagiert sich im Presbyterium der evangelischen Kirchengemeinde, hatte die Diakonie-Stiftung mitgegründet und riss sich nicht um eine weitere öffentliche Aufgabe. Zumal er mit seiner Gemeinde recht zufrieden ist. „Man kann in Schermbeck gut alt werden.“ Schließlich ließ er sich überreden. Wieso nicht an der Bildung eines Netzwerkes mitwirken und Ideen in die Politik hineintragen? 2010 war das, das Bürgergremium hatte sich gerade konstituiert. Inzwischen hat Wilfried von Krosigk vier Jahre Beiratsvorsitz hinter sich und blickt weiteren sechs entgegen. Im Januar wurde er im Amt bestätigt.

Planung und Wirtschaft

Der 74-Jährige hat sich gut eingearbeitet. Er hat Freude an der Aufgabe „das Rathaus in unseren Angelegenheiten zu beraten.“ Soeben wurde der neue Seniorenbeirat aufgestellt, die Hälfte der Mitglieder ist zum ersten Mal dabei und muss sich noch mit den Gegebenheiten vertraut machen.

Einmal monatlich tagt ein Beirats-Stammtisch, bei dem Bürger willkommen sind. Hier können sie sich mit ihren Vertretern austauschen, Ideen vorbringen. Gemeinsam wird darüber diskutiert. Wann der Seniorenbeirat zusammenkommt, liegt im Ermessen des Vorsitzenden. „Wir warten, bis eine Angelegenheit beschlussreif ist.“ Das Ziel sind zwei Sitzungen pro Jahr.

Außerdem sind die Mitglieder als Bürger in Ausschüssen vertreten. Drei waren es in der vorigen Legislaturperiode, inzwischen verfolgt der Seniorenbeirat die Arbeit in sechs Gremien, darunter Planung und Soziales. Von Krosigk selbst hat sich für den Arbeitskreis Quartiersmanagement entschieden. Das Thema interessiert ihn, weil es Schermbecks Senioren direkt betrifft. Außerdem wirkt er stellvertretend im Bau- und Liegenschaftsausschuss mit. Wirtschaft war immer sein Ding. Früher arbeitete der gebürtige Hallenser als Groß- und Außenhandelskaufmann.

Man habe einiges erreicht, lässt von Krosigk die Vergangenheit Revue passieren. Erstes Resultat der Bürgerarbeit war die Auflage einer Notfall-Karte für Senioren, die wichtige Patientendaten enthält. Falls unterwegs etwas passiert und der Besitzer auf ärztliche Hilfe angewiesen ist. Der Beirat brachte einen Seniorenwegweiser, ein kleines Telefonbuch, auf den Weg. Er setzte sich für einen günstigen Fahrdienst ein, ein Sammeltaxi, das einmal pro Woche zwischen den Wohngebieten und dem Ortskern verkehrt, Rollstuhltransport inklusive. Und er kümmerte sich um einen besseren Service. Weil in Schermbeck öffentliche WCs fehlen, setzte er durch, dass Geschäfte mit einem Schild auf die Möglichkeit einer freien Toilettenbenutzung hinweisen. Es gab einen Sicherheitstag mit Rollator-Training und Rauschbrillen-Parcours. An einem Demenztag wurde über die Krankheit informiert. Vieles wurde gemeinsam mit der Nachbarschaftsberatung auf den Weg gebracht. Die meisten Projekte finanzieren Sponsoren. Hier leistete der Beiratschef Überzeugungsarbeit.

Wer hilft beim Rasenmähen?

Soeben hat er im Namen der Schermbecker an die Landesseniorenvertretung geschrieben, die den Landtag berät. Man möge sich dafür einsetzen, dass die Liegezeiten für Urnen auf Friedhöfen von 25 Jahren auf fünf bis sieben Jahre verkürzt werden. Danach stünde es jedem frei, die Grabstätte weiter zu behalten. Ein Beschluss der jüngsten Sitzung. „Betrachtet man die demografische Entwicklung, werden sich immer weniger Menschen um die Gräber ihrer Verwandten kümmern.“ Aktuell denkt von Krosigk über eine Ehrenamtsbörse nach, bei der einfache Dienstleistungen wie Gardinen aufhängen und Rasenmähen angeboten werden.

Der große ruhige Mann versteht sich immer noch als Netzwerker, der Dinge zusammen mit Partnern verwirklicht. „Eine Ich-AG“, stellt er klar, „bin ich nicht. Auch andere müssen Vorschläge machen und darüber nachdenken, wie man sie verwirklichen könnte. Dann setzten wir sie auf die Tagesordnung.“

Für seine moderate Art musste er in seiner ersten Amtszeit Kritik einstecken. Der Seniorenbeirat habe sich zu wenig in die politische Arbeit eingemischt, monierten Ratsmitglieder. Wilfried von Krosigk winkt ab. „Ich bin nicht auf Krawall gebürstet, gehe aber auch keinem Streit aus dem Weg. Wichtig ist, was am Ende herauskommt.“