Der Mutmacher der Migranten

Samer Kheyo bietet in einem Integrationskurs der Volkshochschule seine Hilfe an.
Samer Kheyo bietet in einem Integrationskurs der Volkshochschule seine Hilfe an.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Samer Kheyo hilft jungen Einwanderern, sich in lebenspraktischen Dingen besser zurecht zu finden. Eine Kooperation der VHS mit dem Jugendmigrationsdienst

Wesel..  Tatjana Nascu besucht mit rund zwei Dutzend weiteren Ausländern einen Integrationskurs bei der VHS Wesel. Als sich nun in ihrem Kurs Samer Kheyo als Helfer in ganz praktischen Dingen vorstellte, hatte die 19-Jährige direkt eine konkrete Frage: „Ich habe in Mazedonien Abitur gemacht – wird das hier anerkannt?“ Kheyo, der für den Jugendmigrationsdienst (JMD) des Internationalen Bundes arbeitet, erklärt, wie die Frage der jungen Frau aus Mazedonien geklärt werden kann: „Wir müssten das Zeugnis zunächst beglaubigen und übersetzen. Zusammen mit einem Lebenslauf wird es dann zur Bezirksregierung geschickt. Dann wird man sehen, ob Sie damit hier ein Studium beginnen können.“

Der 33-Jährige berät junge Migranten im sprachlichen, schulischen und beruflichen Bereich und unterstützt die soziale Integration. Im Alter von drei Jahren ist der assyrisch-stämmige Diplompädagoge nach Deutschland gekommen und bietet in Kooperation mit der Volkshochschule Zwölf- bis 27-Jährigen „konkrete, lebenspraktische Unterstützung“, wie es VHS-Direktor Andreas Brinkmann beschreibt.

Bedarf heute größer denn je

Der Anteil jüngerer Migranten in den Deutschkursen stieg in den letzten Jahren kontinuierlich an – ein Trend, den VHS und JMD erkannt haben: Daher besucht Samer Kheyo einmal im Semester alle Integrationskurse, stellt sich vor und erklärt, wie und wobei er helfen kann. Begonnen hat die Kooperation Ende 2010 – der Bedarf ist heute größer denn je.

„Junge Migranten in unseren aktuell 14 Deutsch-Kursen und sechs Integrationskursen haben oft auch außerhalb des Deutschlernens viele Fragen und Anliegen, bei denen wir als VHS an unsere Grenzen stoßen“, ergänzt Brinkmann. Genau hier setzt der 33-jährige Samer Kheyo an, der als 20-Stunden-Kraft in Wesel tätig ist: „Ich helfe schnell und unkompliziert. Und meine Unterstützung ist natürlich kostenlos“, erklärt er vor den Teilnehmern des Integrationskurses, die sehr interessiert wirken.

Suche nach Perspektiven

Kheyo sorgt mit dafür, dass die Migranten im Alltag und Job besser zurecht kommen, macht ihnen Mut und sucht nach Perspektiven. Der Assyrer nennt ein konkretes Beispiel: „Ein jugendlicher Migrant wollte unbedingt im Bereich Natur arbeiten. Über eine Qualifizierungsmaßnahme in der Akademie Klausenhof hat er mittlerweile in den Niederlanden einen Job gefunden, wo er als Florist arbeitet.“

Ein Lob hat Andreas Brinkmann aber auch für einige Teilnehmer der VHS-Kurse parat: „Wenn zum Beispiel Analphabeten aus dem arabischen Raum zu uns kommen, können wir uns teilweise nur mit Händen und Füßen verständigen. Zum Glück gibt es aber auch Kursteilnehmer, die dann dolmetschen, damit wir doch irgendwie helfen können.“