Der letzte Akkord für „Flott voran“

Das war’s mit dem Akkordeonclubs „Flott voran“ (von links): Simone Hülsmann, Helga Funke-Upgang, Bürgermeister Mike Rexforth und Karin Frerick.
Das war’s mit dem Akkordeonclubs „Flott voran“ (von links): Simone Hülsmann, Helga Funke-Upgang, Bürgermeister Mike Rexforth und Karin Frerick.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die restlichen 2066,30 Euro des Akkordeonclubs aus Schermbeck gehen an die Gemeinde. Die Gruppe löste sich auf, da sie keinen Nachwuchs mehr hatte.

Schermbeck..  Der letzte Gang ist gegangen, die letzte Note gespielt, der Akkordeonclub „Flott voran“ gehört nun offiziell Schermbecks Vergangenheit an, deren Teil er 35 Jahre lang war. Zur letzten offiziellen Handlung trafen sich die Vize-Vorsitzende Helga Funke-Upgang, Schriftführerin Karin Frerick und Pressesprecherin Simone Hülsmann mit Bürgermeister Mike Rexforth, um ihm das letzte Vermögen des Vereins für die Gemeinde zu hinterlassen.

Vereinseigene Sachwerte, wie die Musikanlage, Instrumente und technisches Equipment, gingen bereits an die örtliche Gesamtschule. Die Vereinskasse, in der sich zum Schluss 2066,30 Euro befanden, fällt nun an die Gemeinde Schermbeck für gemeinnützige Zwecke, da auch der Akkordeonclub ein gemeinnütziger Verein war. Die ehemaligen Mitglieder empfahlen die Volkstanzgruppe Üfte, die Jugendfeuerwehr Schermbeck und die musikalische Früherziehung an Kindergärten und Grundschulen als Fördermöglichkeiten.

Schon im Januar 2014 hatten die verbliebenen acht Mitglieder die Auflösung des Akkordeonclubs beschlossen, für den es schon länger nicht mehr „flott voran“ ging. „Der Verein hatte einfach keinen Nachwuchs“, brachte Helga Funke-Upgang das Problem auf den Punkt.

Erfolglose Nachwuchssuche

Bemühungen, mit Nachwuchsarbeit in Schulen Mitspieler zu gewinnen, scheiterten. Von den acht Mitgliedern haben vier kleine Kinder zu Hause, sie mussten das Akkordeonspielen aufgeben.

Für das Problem des fehlenden Musikernachwuchses sehen die Akkordeonspieler gleich mehrere Gründe: Zum einen sei die Jugend generell weniger in Vereinen aktiv als früher: „Es ist heutzutage ja nicht mehr so, dass Teenager neben der Schule noch zwei bis drei Hobbies haben“, sagte Schriftführerin Karin Frerick. Zum anderen liege es aber auch am Instrument. „Akkordeonspielen ist wirklich anstrengende körperliche Arbeit“, erklärte Helga Funke-Upgang und meint damit das Ziehen, Pressen und die Koordination auf den Tasten des etwa zwölf Kilogramm schweren Instruments. „Es ist nicht wie beim Keybord, wo sie einen Stecker reinstecken und auf einen Knopf drücken.“

Keine Ambition für Wettbewerbe

Auch die Tatsache, dass „Flott voran“ stets ein Hobbyorchester war, ohne Ambitionen an Wettbewerben teilzunehmen, sei ein Grund für das Aus, vermutet die ehemalige zweite Vorsitzende. „In Dorsten gibt es ein Profi-Orchester, das auch regelmäßig an Wertungsspielen teilnimmt“, erklärt sie. „Vielleicht ist das auch ein Grund, wieso man als Nachwuchsspieler eher dorthin geht.“