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Bildung

Der erste Fulltime-Job

12.02.2009 | 19:33 Uhr
Der erste Fulltime-Job

Die G8-Regelung und der Ganztagsunterricht machen es Jugendlichen schwer, Schule und Hobbys unter einen Hut zu bringen. Bei Nele Jäger klappt es momentan noch.

Einen Termin mit Nele Jäger zu vereinbaren, ist gar nicht so einfach. „Am Freitag hätte ich Zeit”, sagt die 13-Jährige. Die übrigen Wochentage sind ausgefüllt mit Unterricht an der Musikschule, Orchesterproben, Tennisstunden und mit dem Üben für den Wettbewerb „Jugend musiziert”. Und natürlich, nicht zu vergessen, mit der Schule. 34 Stunden pro Woche am Konrad-Duden-Gymnasium (KDG) stehen auf Neles Plan – G8 lässt grüßen. Die Schülerin gehört zum ersten Jahrgang, der das Abitur bereits nach acht Jahren in der Tasche hat. Das hat seine Vorteile, doch Schule und Hobbys zu vereinbaren, wird immer schwieriger.

„Stressig war es immer”, sagt Nele. „Aber seit ich in der achten Klasse bin, ist es noch mehr geworden.” An einem Tag in der Woche muss sie nach der Mittagspause zurück in den Unterricht, jede zweite Woche sind es zwei Nachmittage. Der Stoff des abgeschafften Schuljahres fällt für Nele und ihre Klassenkameraden nicht weg, er wird nur umverteilt. Hat das Mädchen den Nachmittag frei, erledigt sie Hausaufgaben und lernt, übt Querflöte und Klavier. Ihre Freundinnen trifft sie meist nur am Wochenende, sie sind ähnlich beschäftigt wie die 13-Jährige.

Noch schafft Nele es, Schule und Hobbys unter einen Hut zu bringen. Doch sollte es irgendwann zu viel werden, sagt Mutter Iris Jäger, müsse Nele eine ihrer Aktivitäten aufgeben. „Die Schule geht nun mal vor.”

Der Ausspruch „Noch schafft sie es” hat auf die Mitglieder des Beirates der Weseler Musik- und Kunstschule (MKS) eine beunruhigende Wirkung. Sie befürchten, dass durch die G8-Regelung und zusätzlich durch den Ausbau des Ganztages die musische und künstlerische Ausbildung der Jugendlichen auf der Strecke bleiben könnte (die NRZ berichtete). Schulstress sei bereits der meist genannte Kündigungsgrund, sagte die Leiterin der MKS, Dagmar Beinke-Bornemann, während einer Beiratssitzung im November 2008.

Kooperation mit Vereinen

Die Schulen bemühen sich, den Jugendlichen entgegenzukommen. Auch sie bekommen die Zeitnot der Schüler zu spüren, für die es schwieriger wird, sich in freiwilligen AGs nach dem Unterricht zu engagieren. „Wir sind dabei, die AG-Termine zu bündeln und alle auf einen Tag zu legen”, sagt KDG-Direktor Dr. Heinzgerd Schott.

Info
Förderung am AVG

Am Andreas-Vesalius-Gymnasium fördert man die musische Bildung der Schüler vor allem in den beiden Bläserklassen in den Jahrgängen fünf und sechs. Mit Erfolg – fast alle Jugendlichen der ersten Bläserklassen wollen anschließend privat weiter Unterricht nehmen. Um sie zu unterstützen, sollen die Instrumente auch in der darauffolgenden Jahrgangsstufe wieder in den Musikunterricht mit eingebaut werden, berichtet Schulleiter Jürgen Ber-ner. In Klasse acht schließlich können sich die Schüler im Wahlpflichtbereich für das Fach Musik entscheiden.

Werde an seiner Schule tatsächlich ab 2010 der Ganztag mit 36 Stunden pro Woche eingeführt, so Schott, solle es Kooperationen mit der MKS, Sportvereinen und der Volkshochschule geben. Wer wie Nele beispielsweise Querflötenunterricht bekommt, könne diesen dann als Teil der Ganztagsbetreuung besuchen. Ein entsprechendes Konzept wird heute im KDG vorgestellt.

Nele käme eine solche Kooperation sehr entgegenkommen. Denn sie würde nur ungern auf eines ihrer Hobbys verzichten, auch nicht auf einen Wettbewerb wie „Jugend musiziert”. Selbst wenn das, wie zuletzt im Januar, zusätzliche Proben bedeutet. 2010 wird Nele wieder antreten.

Katharina Hut

Kommentare
13.02.2009
11:33
Der erste Fulltime-Job
von JuliaSchmitz | #1

Nachvollziehbar ist das mit dem Sreß nur teilweise. Alles was außerhalb der Schule gemacht wird, ist Hobby. Eben auch Querflöte und Klavier. Wenn man...
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2009-02-12 19:33
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