Der Christbaum hat ausgedient

Marie (13), Nico (16), Marina (13), Fahrer Dieter Eickelkamp, Lukas (15), Organisatorin Katrin Wientges, Yanik (15), Klemens (16), Daniel (16) und Benjamin (9, v.l.) beim Sammeln im Wohngebiet Zur alten Linde in Wesel.
Marie (13), Nico (16), Marina (13), Fahrer Dieter Eickelkamp, Lukas (15), Organisatorin Katrin Wientges, Yanik (15), Klemens (16), Daniel (16) und Benjamin (9, v.l.) beim Sammeln im Wohngebiet Zur alten Linde in Wesel.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Das Fest muss raus. Großeinsatz für die evangelische Jugend Wesel am Samstag. Viele ehrenamtliche Helfer packten mit an

Wesel..  Wenn Yanik Bodden klingelt, spätestens dann ist Weihnachten vorbei. Mit festem Griff umfasst der 15-Jährige den Stamm und trägt den Christbaum auf die Straße. Mit der offenen Hand nimmt er die Spende entgegen. So geht es auf der kleinen Stichstraße Zur alten Linde im Schepersfeld von Haus zu Haus. Die Weihnachtsbaum-Abholaktion der evangelischen Jugend Wesel läuft auf Hochtouren.

Katrin Wientges sieht an diesem stürmischen Samstagvormittag zufrieden aus. „Die Jugendlichen sind total engagiert. Ich kann bei den verrücktesten Aktionen auf sie zählen“, sagt die Leiterin des Fusternberger Jugendhauses Come-in, während Yanik Bodden und sein Trupp schon wieder ausschwärmen.

„Manche haben wir wachgeklingelt“

Die 24-Jährige ist selbst seit halb acht am Morgen auf den Beinen, zwei Stunden später sind die rund 70 ehrenamtlichen Helfer in kleinen Gruppen losgezogen und durchkämmen nicht nur Schepersfeld, sondern auch die Stadtteile Wittenberg, Obrighoven und Innenstadt-Nord. „Ich trage samstagmorgens sonst Prospekte aus, da bin ich es gewohnt, früh aufzustehen“, meint Yanik Bodden. „Manche Leute haben wir aber wachgeklingelt“, erzählt er und lacht.

„Wir erleben ganz Unterschiedliches an den Türen“, berichtet Susanne Kock. Die Pfarrerin der Feldmarker Friedenskirche sitzt im Gemeindehaus Lauerhaas und ist durchnässt, weil Orkantief „Felix“ irgendwann neben dem Wind auch kräftigen Regen gebracht hat. Mal erwarten die Ehrenamtlichen dankbare Menschen, mal patzige Antworten. Oder kuriose Angebote: Wenn sie den Baum abschmücken würden, dann könnten sie ihn auch mitnehmen, erklärte jemand.

Witzig sei die Aktion gewesen, findet Lea Fischer. Aber auch eindrücklich. „Wir haben die Erfahrung gemacht, zu betteln“, sagt Fischer. Mit ihren Freundinnen Pia Holthuis und Janine Ostermann zählt sie das Geld, das die Weseler gespendet haben. Am Ende kommen sie auf knapp 6000 Euro. Das ist mehr als erwartet und mehr als die 5000 Euro im vergangenen Jahr. Die Summe kommt der evangelischen Jugendarbeit und einem Bildungsprojekt in El Salvador zugute, das die Eine-Welt-Gruppe anschiebt.

Sechs Männer und zwölf riesige Räder machen die Weihnachtsbaum-Abholaktion überhaupt erst möglich. „Die Unterstützung der Treckerfahrer ist toll“, findet Pfarrerin Susanne Kock. Dieter Eickelkamp findet sie selbstverständlich. „Man muss doch was für die Jugend tun“, meint er. Gleich klettert er in das Führerhaus seines Traktors und zieht den Anhänger mit über 100 Weihnachtsbäumen zum Hof des ASG. Das städtische Unternehmen hat kostenlos auch zwei Container am Friedhof Am Langen Reck bereitgestellt.

Morgen wird in Skandinavien der St.-Knuts-Tag gefeiert, mit dem offiziell die Weihnachtszeit endet. Ein großes schwedisches Möbelhaus nahm in einem Werbespot einst den Brauch auf und zeigte, wie die Bewohner einer Straße ihre Weihnachtsbäume aus den Fenstern des vierten Stocks schleuderten. Yanik Bodden heißt weder Knut noch musste er einen Helm aus Schutz vor fliegendem Tannengrün tragen. Die Weihnachtszeit ist nach seinem Besuch dennoch für die meisten Weseler endgültig vorbei.