Der Bürgerdiplomat

Gerhard Girnth aus Mehrhoog ist seit etwas mehr als einem halben Jahr als Schiedsmann im Einsatz.
Gerhard Girnth aus Mehrhoog ist seit etwas mehr als einem halben Jahr als Schiedsmann im Einsatz.
Foto: WAZ FotoPool
Der Mehrhooger Gerhard Girnth gehört zu insgesamt vier Schiedsleuten, die inHamminkelnzwischen Streithähnen vermitteln sollen, um die Gerichte zu entlasten.

Hamminkeln..  Eines ist klar: Misanthropen wären in diesem Amt falsch. Ein gewisses Maß an Empathie, Diplomatie und Interesse am Menschen muss schon sein, um einen Ausgleich zwischen zwei Streithähnen zu erzielen. „Und Ruhe“, sagt Gerhard Girnth. Seit etwas mehr als einem halben Jahr ist der 66-Jährige für die Ortsteile Mehrhoog, Loikum und Wertherbruch unter anderem dann zuständig, wenn dem einen Nachbarn nicht gefällt, was der andere treibt. Oder dem Vereinsfreund. Vier Fälle hatte er bislang in Bearbeitung.

Auch bei Strafsachen

Wenn Schiedsleute im Einsatz sind, geht es häufig um Blätter, die vom Nachbarbaum auf die Terrasse rieseln, um die Hecke, die zu hoch beziehungsweise zu niedrig geschnitten ist oder um das Grundstück, das vielleicht ein paar Grasnarben großzügiger geschnitten ist als rechtlich zulässig wären. Für die einen sind es Kinkerlitzchen, für andere aber ernste Sachen, die umso ernster werden, je weniger die Parteien miteinander reden. Und das tun sie immer seltener.

Seitdem jeder Mensch eine Rechtsschutzversicherung habe, „rennen alle direkt zum Gericht“, sagt der Hamminkelner Schiedsmann etwas überspitzt, um zu verdeutlichen, dass es häufig ratsamer wäre, bei Bagatellen einen Schiedsmann herbeizurufen als einen langwierigen Rechtsstreit bis in die letzte Instanz zu tragen.

Der thematische Wirkungskreis von Gerhard Girnth ist groß. Eine Ausbildung im Nachbarschaftsrecht hat er bereits bekommen, die Ausbildung im Strafrecht schließt sich derzeit an. Danach wird Gerhard Girnth neben Fällen von Grundstücksgrenzen, Zaunhöhen oder Lärm- und Geruchsbelästigung auch leichtere Fälle von Hausfriedensbruch, Körperverletzung, Bedrohung oder Sachbeschädigung behandeln.

Eines stellt er aber klar: „Ich bin kein Rechtsbeistand“. So wälzt der Bauingenieur im Ruhestand, der beim Wasser- und Schifffahrtsamt in Duisburg angestellt war und eine Ausbildung zum Konflikt-Lotsen absolviert hat, keine Gesetze, um die Schuldfrage oder den zivilrechtlichen Anspruch zu klären. Vielmehr versucht er, durch ein sachliches und respektvolles Gespräch einen Vergleich zu erreichen, mit dem beide Konfliktgegner hinterher leben und sich im Optimalfall auch wieder in die Augen sehen können. Und zwar kostengünstiger und schneller als es Gerichte je erreicht hätten. Die Gebühr für eine Schlichtungsverhandlung beträgt zehn Euro. Wird ein Vergleich geschlossen, werden noch mal 25 Euro fällig, die unter besonderen Umständen bis auf 40 Euro erhöht werden können.