Dem Gleisanschluss ein Stück näher
10.11.2009 | 18:56 Uhr 2009-11-10T18:56:00+0100
Hamminkeln. Bei der Vorpremiere wollte Hans-Hermann Rüpke gerne selbst dabei sein. Gestern Mittag hatte der Betriebsleiter des Betonfertigteile-Herstellers Max Bögl seinen Schreibtisch an der Industriestraße zugunsten des – nassen – Hamminkelner Bahnsteigs verlassen.
Dort fuhr um 13.25 Uhr der Zug der Bocholter Eisenbahngesellschaft ein, beladen mit 1200 Bahnschwellen, hergestellt im Bögl-Werk Neumark. Mit Hilfe dieser Schwellen kann der letzte Teil des Gleisanschlusses für das Hamminkelner Unternehmen fertig gestellt werden.
Anfang Dezember soll Transport beginnen
Voraussichtlich am 4. Dezember sollen diese Arbeiten abgeschlossen sein, so dass der erste Zug die so genannten Tübbinge aus dem Hamminkelner Werk Richtung Antwerpen schicken kann. Diese schweren Betonfertigteile werden zur Tunnelherstellung benötigt. Im aktuellen Fall geht es um einen Großauftrag für die Hamminkelner Firma, die für zwei, jeweils sechs Kilometer lange Tunnelröhren unter der Schelde das Material liefern soll. „Der Tunnel verbindet die linke mit der rechten Hafenseite”, erläuterte Hans-Hermann Rüpke gestern. Nach Bauende transportieren Züge dann vor allem Gefahrstoffe, was besondere Anforderungen an die Tübbinge stellt.
Die Bocholter Eisenbahngesellschaft (BEG) ist für den Transport der Betonfertigteile nach Antwerpen Partner der Hamminkelner Firma Max Bögl und übernimmt die Kooperation mit der Bahn AG, wie der Geschäftsführer des privaten Eisenbahnunternehmens, Guido Lohscheller, gestern erläuterte. Die BEG ist verantwortlich für die Züge bis Wesel, anschließend ist die DB Netz an der Reihe und sichert die Weiterfahrt bis nach Belgien. Damit die insgesamt 280 Touren der tonnenschweren Fertigteile mit dem Fahrplan des Regionalzuges „Der Bocholter” zusammenpassen, wird das Stellwerk in Hamminkeln wieder tagsüber mit einem Fahrdienstleiter besetzt. So ist das sichere Rangieren der Waggons hinter dem Bahnhof gewährleistet.
Die umfangreiche Bestellung, 55 000 Teile sind für den Tunnelbau erforderlich, wollte das Hamminkelner Werk nicht über die Straße abwickeln. „Das wären 14 000 Lkw-Touren in zwei Jahren gewesen”, rechnete der Betriebsleiter vor. Stattdessen setzte man auf die Schiene und beantragte einen Gleisanschluss. Mit weitreichenden Folgen. Zunächst mussten die unmittelbar an das Bögl-Gelände angrenzenden Schrebergärten verschwinden. Außerdem machten Naturschützer das Vorkommen von Fledermäusen geltend, das berücksichtigt werden müsste. Doch in der Oktober-Sitzung machte der zuständige Hamminkelner Fachausschuss alles klar, nachdem ein Gutachten bestätigt hatte, dass der Bestand durch die Baumaßnahme nicht gefährdet werde.
„Dafür hat sich die Mühe gelohnt”, stellte Rüpke zufrieden fest. Mit einer Investition von insgesamt 4,8 Millionen Euro, allein der Gleisanschluss kostet 1,8 Millionen, hat die Firma Bögl auch eine Standortsicherung des Hamminkelner Werkes für die derzeit 125 Beschäftigen vorgenommen. Denn bei der Teilnahme an weiteren Ausschreibungsverfahren im Bereich des Tunnelbaus ist der Gleisanschluss ein wichtiges Argument.
Standortvorteil nutzen
„Zumeist wird der Bahntransport bevorzugt”, weiß Rüpke. Nach Fertigstellung des Anschlusses fahren zunächst zwei Züge pro Woche, später geht's dann fünfmal pro Woche Richtung Belgien. Insgesamt werden 280 Züge erforderlich sein, hat die Firma Bögl ausgerechnet.
14:09
Nur gut, dass die Bahnlinie nicht wie die vielen Münsterländer Strecken stillgelegt und demontiert wurde.