„Dat is minne Dänzerin“

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Schermbeck..  Greta, 9, ist bereit. Noch kurz durch die Haare kämmen und dann rein ins bodenlange schicke Stiefschwestern-Kleid aus dem Fundus des Heimatvereins Gahlen. Greta sieht ihrem Auftritt gelassen entgegen. Sie kennt das Märchen „Aschenputtel“, ihre Einsätze hat sie drauf, und auch der Text bereitet ihr kaum Schwierigkeiten: Oma und Opa sprechen zu Hause platt, da gehen einem die Worte locker von den Lippen. Die Nachwuchsschauspieler stellen sich in Position. Gerd Becks vom Heimatverein Gahlen nimmt seinen Platz vor der Bühne ein. An der Seite sitzt Lehrerin Barbara Breitkopf mit dem Text. Auf geht’s. „Do war en ricken Mann ... “

Der „ricken“, also reiche, Mann ist Aschenputtels Vater und mit ihm und der Heirat der fiesen Stiefmutter beginnt das Märchen. Wir sind zu Gast in der Grundschule Schermbeck. Die Premiere im Saal des Café Holtkamp steht kurz bevor. Jetzt wird mit Feuereifer geprobt. Eine runde halbe Stunde dauert die Version, die Gerd Becks auf Gahlener Platt geschrieben hat.

14 Schülerinnen und Schüler der Klassen 3 und 4 stehen auf der Bühne. Den Rahmen bildet die Aufführung „Dütt un datt op platt“ der Laienspielschar des Heimatvereins. Mit dabei sind die „Prootköster“, die jüngsten Mitspieler.

Seit 2008 steht Plattdeutsch als Wahlfach auf dem Stundenplan der Schermbecker Grundschule. Gahlener Heimatfreunde kommen eine Wochenstunde und üben mit den Kindern. Der Vorschlag kam von Jürgen Höchst, dem damals noch neuen Vorsitzenden. Die Resonanz war von Anfang an groß, berichtet Gerd Becks. Er führt das auf einen „Trend hin zum Alten“ zurück: Eine Zeit war Plattdeutsch aus der Mode, heute besinnen sich immer mehr Menschen auf ihre kulturellen Wurzeln. Gerd Becks hat ein Beispiel parat. Kennen Sie ein „Schöttelschlitt“? Bestimmt. Es handelt sich um ein Spültuch.

Im Laufe der Zeit haben die „Prootköster“ eine ganze Reihe Märchen auf die Bühne gebracht, von „Rotkäppchen“ bis zu „Hänsel und Gretel“ im vorigen Jahr. Auch diesmal sind die Kinder ganz bei der Sache. Aschenputtel (Nathalie mit Klumpen an den Füßen und Kopftuch andersherum) sitzt in der Küche, während die Stiefschwestern, „Dochter 1“ (Greta) und „Dochter 2“ (Hanna), teures Geschmeide bekommen. „Wenn Brot etten will, mutt eck sett vadehnen“, wettert die Stiefmutter (Elif).

Das Böhmken rüttelt Gold und Silber

Natürlich wird alles gut. Die drei Tauben (Pia, Selcan, Larissa) helfen. Das „Böhmken“ rüttelt und schüttelt Gold und Silber über das arme Aschenputtel. Und am Ende bekommt es den Prinzen, schmissig in Szene gesetzt durch Felix, den einzigen männlichen Darsteller („Datt is minne Dänzerin un eck brenn se ook no Huss!“).

Gerd Becks und Barbara Breitkopf sehen zufrieden aus. Frau Breitkopf unterricht sonst Englisch, mit dem Gahlener Platt, räumt sie ein, hatte auch sie ihre Schwierigkeiten. „Wobei es mich schon sprachlich interessiert.“