Das war ein musikalischer und optischer Genuss

Viel zu hören und zu sehen: Silvesterkonzert der Rumänischen Staatsphilharmonie im Bühnenhaus
Viel zu hören und zu sehen: Silvesterkonzert der Rumänischen Staatsphilharmonie im Bühnenhaus
Foto: Lars Fröhlich
Publikum im Bühnenhaus genoss beim Gastspiel der Rumänischen Staatsphilharmonie neben der Musik auch die Unterhaltung mit lustigen Einlagen

Wesel..  Immer wieder lockt zum Ende des Jahres das Silvesterkonzert Hunderte ins Städtische Bühnenhaus. Zu Recht: Zum 13. Mal begeisterte die Rumänische Staatsphilharmonie „Dinu Lipatti“ aus Satu Mare das Weseler Publikum. Dirigent und Moderator des Abends war wieder Franz Lamprecht, der mit kleinen Anekdoten oder historischen Fakten zu jedem Stück eine schöne Verbindung zwischen den Musikwerken schuf.

Schon optisch ist das Gastspiel ein wahrer Genuss: Ein so großes Orchester zu beobachten, die im Gleichklang tanzenden Violinbögen, die schnellen Läufe auf den Kontrabässen, das Spiel der Pauken und der Percussion, die Einsätze der Blech- und Holzbläser. Der Gablenz-Marsch von Josef Strauß, der den bunten Melodienreigen eröffnete, glich einem Ritt hoch zu Pferde. Es folgte der erste von vielen weiteren Höhepunkten des Konzertes: Der Auftritt von Sopranistin Lena-Maria Kramer, die sich mit „Strahlender Mond“ des in Emmerich geborenen Eduard Künneke aus der Operette „Der Vetter aus Dingsda“ in die Herzen des Publikums sang.

Tolle Stimme, toller Ausdruck

„Die Stimme ist toll. Ich musste sofort eine kleine Träne verdrücken“, sagte Sabine Runte-Zacharias in der Pause. In die ging es mit der Champagner-Polka von Johann Strauß (Sohn) laut „ploppend“ und mit einem Kellner, der im Orchester Champagner verteilte, während es spielte. Zuvor hatte Lena-Maria Kramer mit „Il Bacio“ (Der Kuss) von Luigi Arditi und „Ich schenk mein Herz“ aus der Operette „Die Dubarry“ von Karl Millöcker ihr Können unter Beweis gestellt – in perfekter Harmonie mit dem Orchester, mit viel Leichtigkeit, tollem Ausdruck und immer wieder einer neuen schmeichelnden Robe.

„Freiwillige vor!“ von Johann Strauß (Sohn) erklang zur Eröffnung von Konzertteil zwei. Die Entstehungsgeschichte dieses Marsches ist tragischen Ursprungs. Am 8. Dezember 1881 brannte während einer Aufführung das Wiener Ring-Theater bis auf die Grundmauern nieder. Den Helfern in der Not widmete der Komponist sein Werk zum Dank.

Für Wesel Blankenburgs Gladiatoren

Bezaubernd schön sang Lena-Maria Kramer „Meine Lippen, sie küssen so heiß“ von Franz Lehár und tanzte dazu im Flamenco-Stil. Extra für das Konzert in Wesel hatte das Orchester „Abschied der Gladiatoren“, ein Werk des hier zeitweilig lebenden und 1956 gestorbenen „Marschkönigs“ Hermann Ludwig Blankenburg einstudiert.

Franz Lamprecht erklärte die Begriffe Telegrafie und Depesche, bevor das spielfreudige Orchester den Walzer „Telegrafische Depeschen“ spielte. Dann wurde es immer lustiger und unterhaltsamer. Bei „Feuerfest“ hämmerte der Paukist auf einem Eisenträger herum, bei der „Tritsch-Tratsch-Polka“ unterhielten sich die Musiker des gesamten Orchesters miteinander, drehten sich um, lachten, gestikulierten – und spielten trotzdem weiter. Dann trat die spaßige Variante des Teufels zeitgleich zur „Luzifer-Polka“ auf und stachelte beherzt mit dem roten Dreizack auf die Orchestermitglieder ein.

Nicht ohne Radetzky-Marsch

„Heia, in den Bergen ist mein Heimatland“ aus „Die Csárdásfürstin“ von Emmerich Kálmán setzte einen faszinierenden Schlusspunkt mit Gesang.

Natürlich ging das Publikum nicht ohne Zugaben nach Hause. Da fehlte auch nicht der „Radetzky- Marsch“, zu dem kräftig mitgeklatscht wurde. „Ich bin total begeistert“, hörte man auf dem Heimweg.