Das Vertrauen war aufgebraucht

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Wesel..  Zahlreiche Blicke, auch aus Wesel, richten sich auf Griechenland: Wird Alexis Tsipras, der Neue an der Regierung, den Menschen ein besseres Leben bieten können? Die NRZ hat einen Griechen gefragt, der seit vielen Jahren in Wesel lebt und arbeitet. Und der doch eng mit der alten Heimat verbunden ist, dort Familie und Freunde hat. Andreas Efthimiou (55) betreibt sein Restaurant am Großen Markt. „Er hat viel versprochen“, sagt er zum Sieg von Tsipras. „Ob er es halten kann, hängt von Europa ab. Allein kann er es nicht schaffen“, ist Andreas Efthimious Einschätzung.

Fünf Jahre lang hätten seine Landsleute den Sparkurs ertragen, gehofft, dass es besser werde. „Viele haben keine Arbeit mehr, andere verdienen deutlich weniger“, sagt er. „Sie haben mit ihrem Verdienst geplant, müssen Raten zahlen.“

Die Reserven sind aufgebraucht, das Vertrauen ist es auch. In Griechenland geht man zur Familie, wenn man Hilfe nötig hat. „Da ist der Opa, der hatte 400 Euro Rente, nun bleiben ihm 350 Euro, und die Enkel bitten ihn um Unterstützung“, veranschaulicht Efthimiou. Ein alter Mann, ebenfalls Grieche, wirft aufgebracht ein: „Davon müssen sie Versicherung zahlen, Medikamente kaufen, Miete...“

Früher seien die Griechen fröhlich gewesen, heute sei in den Häusern die Bedrückung mit den Händen greifbar, so Efthimiou. „Es geht einfach nicht mehr.“ Die Frage, die alle umtreibe: Was soll ich tun? Das erkläre den hohen Wahlsieg von Tsipras. Besser sei es unter Samaras nur einigen wenigen gegangen. Für die Mehrheit blieb der Fall ungebremst.

Von dem Neuen an der Spitze erwartet der Weseler Gastwirt keine Wunder: „Er ist kein Nikolaus.“ Aber mehr Stabilität - dadurch, dass so viele Menschen ihn wollten. Dass Griechenland die Eurozone verlassen könnte – nein, das nicht. Wer weiß: Wenn Europa mitspielt, könnte sich die Hoffnung auf ein anständiges Leben doch erfüllen, die so viele Menschen bei der Stimmabgabe geleitet hat.