Das Rätsel um Willibrords Schriftrolle

Willibrord, wie er vor der Zerstörung des historischen Rathauses an der Fassade zu sehen war, und fünf Modelle von ihm, die die die Mülheimer Firma Ego 3D hergestellt hat.
Willibrord, wie er vor der Zerstörung des historischen Rathauses an der Fassade zu sehen war, und fünf Modelle von ihm, die die die Mülheimer Firma Ego 3D hergestellt hat.
Foto: pr
Was wir bereits wissen
Der Bürgerinitiative Historisches Rathaus geht es auch um die Details. Das erfordert viel Recherche.

Wesel..  Es ist ein langer Weg bis zur Komplettierung der historischen Rathausfassade am Großen Markt. Denn die aktiven der Bürgerinitiative Historisches Rathaus Wesel stoßen dabei immer wieder auf neue Hürden, wenn es um die Figuren geht, die einst zwischen den Fenstern im ersten Obergeschoss standen. Doch es geht voran. Kaiser Karl der Große (742-814) und Kurfürst Johann Sigismund von Brandenburg (1572-1619), die einmal die Fassade am Großen Markt zieren sollen, sind jetzt fertig. Sie wurden von der Steinfurter Firma Lehm­kuhl gegossen. Zwei weitere Figuren gibt es bereits als Modell, ihr Guss steht unmittelbar bevor. Es handelt sich um Herzog Adolf I. von Kleve-Mark als Ritter (1373-1448) und den Heiligen Willibrord (658-739).

Das Problem: Die Figuren sollen möglichst detailgenau rekonstruiert werden. Doch es liegen lediglich Fotos von der Vorderseite vor, so dass die anderen Ansichten erst erarbeitet werden müssen (siehe Bild rechts). „Wir haben einen halben Tag gebraucht, um den Faltenwurf des Gewands von Kaiser Karl festzulegen“, sagt Dagmar Ewert-Kruse von der Bürgerinitiative und Bürgerstiftung Historisches Rathaus. Und auch Willibrord gab Rätsel auf, die eine ausführliche Recherche erforderten. Schließlich zeigt er mit der Hand auf eine Schriftrolle. Was sie enthält? Es handelt sich offenbar um den Hinweis auf das eigene Evangeliar, das Willibrord als Bischof von Echternach schrieb. Und auch dem Bischofsstab kam eine besondere Bedeutung zu. Wie weit darf er nach unten ragen, lautete hier die Frage. Willibrord, der aus Northumbrien und Irland aufs europäische Festland kam, war als Missionar aktiv. Er wollte die Ungläubigen zum Christentum bekehren.

Golgatha-Gruppe in Xanten

Jede noch so kleine Kleinigkeit gerät bei den Rathausfiguren in den Fokus. Und so beschäftigen sich die Bürgerinitiativler auch mit Orden, Anhängern und Ketten und deren Bedeutung.

Mittlerweile ist Dagmar-Ewert Kruse zusammen mit ihren Mitstreitern „mit den Figuren total glücklich“. Jede von ihnen wiegt zwischen 220 und 280 Kilogramm und besteht aus gemahlenem Sand mit künstlichen Zusätzen. Das Material wirkt wie Stein und fühlt sich auch wie Stein ein, versichert die Weselerin. Der Vorteil: Solch eine Figur hält viel länger als eine aus einem Stein gemeißelte. Denn Stein weist immer wieder Risse auf, Wasser kann eindringen und so zu Abplatzungen und Zerstörungen führen. Wer sich vorab ein Bild von dem verwendeten Material machen möchte, muss nur nach Xanten fahren. Vor dem Eingang in den Viktor-Dom steht auf der rechten Seite die Golgatha-Gruppe. Auch sie wurde in Steinfurt gegossen und steht bereits seit 15 Jahren an dieser Stelle.

Auch die Baldachine, die über die Figuren kommen, sind nun in Arbeit. Die Firma Bennert aus Klettbach, die die Fassade errichtete, stellt sie her. Auch hier gab es immer wieder genaue Absprachen, um die gotische Formensprache richtig zu erfassen, so Ewert-Kruse.

Einweihung im Dezember?

Wann genau die Figuren die Fassade erklimmen werden, steht noch nicht fest. Angedacht ist der Dezember, doch nach den bisherigen Erfahrungen möchte man sich da besser nicht festlegen.