Das Leben der Anne Frank

Foto: FUNKE Foto Services / Gerd Herma

Wesel..  Anfangs war es ein seltsames Gefühl, vor anderen Schülern zu stehen und ihnen etwas vermitteln zu wollen. Das gibt Fabian ganz offen zu. „Das war nicht nur ungewohnt, da gab es auch schon Lacher und den ein oder anderen blöden Kommentar.“ Unterkriegen ließ sich der 14-Jährige davon aber nicht. Im Gegenteil, Fabian steht voll hinter seiner Sache: Er ist einer von acht Jugendlichen an der Gesamthauptschule Martini, die ihre Mitschüler durch die Ausstellung „Anne Frank“ führen.

Genau genommen geht das Projekt aber viel weiter als Führungen. Die Jugendlichen, die im Vorfeld mit Schulsozialarbeiter Jürgen Knüfken vorbereiteten, was sie als so genannte „Peer Guides“ zu tun haben, erarbeiten mit ihren Mitschülern sowohl das Schicksal der Anne Frank als auch vieles rund um das Thema Tagebuch-Schreiben. Für verschiedene Altersgruppen gibt es unterschiedliche Arbeitsbücher zum Thema.

„Zuerst können sich die Besucher die Info-Tafeln mit Informationen zum Leben von Anne Frank ansehen“, erklärt Medina, die ebenfalls Peer Guide ist und mit Fabian im Team zusammenarbeitet. „Anschließend zeigen wir einen kurzen Film, der wirklich tief unter die Haut geht und traurig ist. Spätestens dann kichert und lacht eigentlich niemand mehr.“

Alles freiwillig

Im Anschluss kommen dann die Arbeitshefte zum Einsatz. Rund 40 Minuten lang befassen sich die Schüler damit, sollen sich beispielsweise in die Lage von Anne Frank versetzen und aufschreiben, wovor sie Angst haben oder was sie tun, wenn sie so richtig wütend sind. Zudem werden Fragen zum Leben der jüdischen Familie gestellt. Die Antworten darauf sind im Arbeitsbuch oder in der Ausstellung zu finden. Abschließend wird alles besprochen.

„Hier ist alles freiwillig“, betont Peer Guide Fabian. „Niemand muss dabei bleiben, niemand muss die Fragen im Arbeitsheft beantworten.“ Doch trotz anfänglichen Gekichers würden sich die meisten drauf einlassen, beobachtet Medina, und die 15-Jährige freut sich darüber. Schließlich stecken sie und die anderen Peer Guides eine Menge Arbeit in das Projekt.

In den kommenden zwei Wochen schauen sich nach und nach die Mädchen und Jungen der Hauptschule die Ausstellung an, auch eine Klasse der Feldmarker Grundschule hat ihren Besuch angekündigt.