Da juchzt das Sammlerherz

Hochbetrieb herrschte beim Frühjahrströdelmarkt in der Weseler Fußgängerzone.
Hochbetrieb herrschte beim Frühjahrströdelmarkt in der Weseler Fußgängerzone.
Foto: FUNKE Foto Services / Gerd Herma
Was wir bereits wissen
Hochbetrieb herrschte gestern auf dem Weseler Frühjahrströdelmarkt. Bis zum späten Nachmittag wurde gestöbert, gefeilscht und gekauft.

Wesel..  Erika Derks hat Glück gehabt. Sie sieht rundherum zufrieden aus. Die Anreise aus Emmerich hat sich gelohnt. Sie präsentiert stolz ihre Errungenschaft: Einen Happy Hippo, fingergroß, typisch blitzblau, mit weißem Röckchen - geschlüpft aus einem Kinderüberraschungs-Ei. Über hundert der Plastikfigürchen hat sie bereits zuhause, jetzt sind wieder zwei dazu gekommen. Neben dem fröhlichen Nilpferd (drei Euro) hat die Emmericherin eine Biene Maja erhandelt - „irgendwo da vorn.“ Ein paar Schritte weiter gräbt ein Paar in einem Bücherberg: Krimis und Kochfibeln, Biografien und Bildbände, Ratgeber und Reiselektüre, erhältlich ab einem Euro. Es lohnt sich eben, über den Weseler Frühjahrsrödelmarkt zu bummeln, vor allem wenn das Wetter so gut mitspielt wie gestern.

Bereits kurz nach dem Start um elf Uhr füllte sich die Hohe Straße zwischen Berliner-Tor-Platz und Willibrordi-Dom. Überall wurde gekramt, gestaunt, gefeilscht („Ich sag’ fünf Euro, du sagst drei, also gib’ mir vier“). Auf den Außenplätzen der Cafés blieb kaum ein Platz frei. Viele Besucher feierten ihre Schnäppchen mit einem Cappuccino oder einem Eisbecher. Gelohnt hat sich der Sonntag vermutlich auch für die Musiker, die mit Dixie-Klängen über den Markt zogen. Viele swingten mit und stifteten ihr Kleingeld. Wenn man doch sonst so viel spart ...

Und was es alles zu ergattern gab! Klamotten an Ständern und in Kisten, neu oder gebraucht. Schuhe und Sonnenbrillen. LPs mit „Deutschen Superhits“, Stefan Sulkes „Uschi“ inklusive...

35, 25, 20 Euro...

Neben Schraubenziehern, Fahrradschlössern, Handy-Hüllen, Nagelfeilen und einem Fußmassagegerät wartete „Das große Pumuckl-Spiel“ auf einen neuen Besitzer. Play-Station-Angebote brachten Kinderherzen in Wallung. Oder wie wär’s mit einer Barbie nebst Barbie-Puppenhaus zum Zusammenklappen? Ein aufmerksamer Händler stürmt herbei. 35 Euro will er. Dann 25. Dann 20...

Mitten im Getümmel: Renate und Günter Jansen aus Bochum. Sie bieten Haushaltswaren, hölzerne Kaffeemühlen, Porzellan, etwa schöne Einzelteile von Villeroy & Boch, und Kunsthandwerk an. Darunter dekorative Gilde-Figuren wie einen Clown für 27,50 Euro. Ihre Ware stammt von Privatleuten. Einiges wurde ausrangiert, andere Schätze entdeckten die Jansens bei Haushaltsauflösungen.

Für sie ist der Trödelmarkt-Verkauf ein Hobby. Die beiden touren regelmäßig durch die Region. Auch beim PPP-Stadtfest im Sommer sind sie Gäste. Am Weseler Frühjahrströdel gefällt ihnen vor allem, dass hier viele Privatleute stehen, nicht die Verkäufer von Neuwaren. Das Geschäft lief „ganz gut“, sagt Renate Jansen. Kaum hatten sie aufgebaut, ging eines der beiden Puky-Kinderfahrräder weg. Sie gehörten ihren Enkeln, zwei Jungs - doch die sind sozusagen rausgewachsen. 80 Euro hat der Käufer für den Mini-Markendrahtesel bezahlt. Renate Jansen hat den Gewinn im Geiste schon wieder investiert: „Dafür bekommt der Junge ein neues Rad.“