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Chefärztin im Praktikum

27.02.2008 | 20:48 Uhr

GESUNDHEIT. Professor Dr. Christiane Tiefenbacher wird Nachfolgerin des Herzspezialisten Professor Dr. Klaus Haerten.

WESEL. Frauen haben große Bedeutung für das Marien-Hospital, versicherte gestern Geschäftsführer Heinrich Schnieders. Das war bei der Namensgebung vor 150 Jahren so, das zeigte sich bei den Mitbegründerinnen, den Clemensschwestern aus Münster, in deren Händen auch bis 1961 die Führung des Hauses lag. Nur eine Chefärztin gab's an der Klinik nicht. Das hat sich jetzt geändert. Mit Professor Dr. Christiane Tiefenbacher übernimmt erstmals eine Frau die Leitung einer medizinischen Abteilung. Die 44-Jährige wird Nachfolgerin von Professor Dr. Klaus Haerten an der Klinik für Kardiologie, Angiologie, Pneumologie und Schlafmedizin.

Als "Chefärztin im Praktikum" bezeichnete sich die dreifache Mutter bei ihrer gestrigen Vorstellung humorvoll. Der Grund: Die anerkannte Wissenschaftlerin ist bereits seit zwei Wochen am Marien-Hospital tätig, wird Professor Haerten aber erst im November im Amt nachfolgen. Die Zeit bis dahin wird sie gut nutzen können. Denn es warten nicht nur medizinische, sondern auch konzeptionelle Aufgaben auf die Expertin. Das Marien-Hospital will ein eigenes Bettenhaus für die Kardiologie errichten, außerdem soll ein zweiter Herzkatheder-Meßplatz geschaffen werden. Denn künftig will sich die neue Chefärztin intensiv mit Herz-Rhythmus-Erkrankungen befassen.

Einem ebenfalls neuen Arbeitsschwerpunkt wird sich die Medizinerin mit der interventionellen Angiologie (Behandlung von Gefäßerkrankungen) und der interkonventionellen Kardiologie widmen. Als Beispiel nannte die Professorin den Verschluss von Herzscheidewänden. 20 Prozent aller Menschen haben ein sehr kleines Loch in der Herzscheidewand, das allerdings als Risikofaktor für den Schlaganfall gilt. Die Technik, die für das Verschließen angewandt wird, setzt nicht mehr auf eine große Operation mit Öffnen des Brustkorbes, sondern ein Katheder transportiert ein kleines Schirmchen, einen so genannten Okkluder aus Titan an die defekte Stelle, wo er geöffnet wird und so das Loch verschließt. Die Operation dauert in der Regel nicht länger als 20 Minuten und wird an der Uni Heidelberg, von der sie nach Wesel wechselt, etwa 150 Mal pro Jahr angewandt. Am Niederrhein, so stellte Geschäftsführer Schnieders, werde dieses Verfahren für die Eingriffe bislang noch nirgendwo eingesetzt.

Eine enge Kooperation beim Aufbau eines Gefäßzentrums wird Professor Tiefenbacher mit Gefäßchirurgen (im eigenen Haus), mit Neurologen und Nephrologen suchen, kündigte sie gestern an.

Die vielseitigen Arbeitsmöglichkeiten am Marien-Hospital gab die Medizinerin als Grund für ihre Entscheidung für die Kreisstadt an. Denn einen Lehrstuhl für Angiologie an der Universität Essen hatte sie zugunsten des Weseler Angebots abgelehnt. "Mein Herz hängt sowohl an der Angiologie als auch an der Kardiologie." In Wesel könne sie sich darüber hinaus auch noch der Forschung widmen und neue Verfahren einbringen.

Sie sei sehr herzlich und freundlich aufgenommen worden, berichtete die Spezialistin. Deshalb sei das Heimweh nach Heidelberg auch noch nicht so groß.Christiane Tiefenbacher wurde 1963 in Heilbronn geboren, studierte von 1983 bis 1990 Humanmedizin an der Universität in Heidelberg und an der Universität in Chicago und promovierte mit einem Thema aus dem Bereich der kardiologischen Forschung. 1991 bis 1995 war sie als Stationsärztin an der Kardiologie, Gastroenterologie und Intensivmedizin der Uni Heidelberg tätig. 1999 wurde sie zur Oberärztin berufen, 2002 übernahm sie die Leitung des Bereiches Angiologie, 2004 die Leitung des Herzkathederlabors, gleichzeitig wurde sie leitende Oberärztin. 1999 erfolgte die Habilitation für das Fach Innere Medizin.

MARGRET BRÜRING

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