Bohren für den Naturschutz

An 70 bis 80 Tagen im Jahr könnte nach der Umsetzung der Pläne der Eyländer Weg überschwemmt sein. Doch das dauert noch einige Zeit.
An 70 bis 80 Tagen im Jahr könnte nach der Umsetzung der Pläne der Eyländer Weg überschwemmt sein. Doch das dauert noch einige Zeit.
Foto: Privat
Was wir bereits wissen
Der Xantener Altrhein soll Verbindungen zum Rhein erhalten. Am Dienstag beginnen die Bohrungen dafür.

Wesel/Xanten..  Eine nahezu unendliche Geschichte ist ihrer Umsetzung ein Stück näher gekommen: Heute beginnen auf der Bislicher Insel die Baugrunduntersuchungen für die Anbindung des Xantener Altrheins an den Rhein. Der Deichverband Poll stellte das Projekt, das seit Anfang der 80er Jahre im Gespräch ist und das wohl einen zweistelligen Millionenbetrag verschlingen wird, in seiner Büdericher Geschäftsstelle am Hagelkreuzweg vor.

Mehrere Möglichkeiten

Die Anbindung soll an zwei Stellen erfolgen. Zum einen von der ehemaligen Natorampe am Rhein über die Tümpel rechts und links des Eyländer Wegs, zum anderen in der Nähe der Beeker Gaststätte „Zur Rheinfähre“, wobei hier drei mögliche Varianten untersucht werden: 1. der Ausbau der bestehenden Götschleuse; 2. ein Zugang im östlich davon gelegenen Bereich; 3. die Nutzung des Abgrabungsgewässers neben der Gaststätte und dann weiter unter der L480 hindurch.

Bis zum 15. März dürfen die Sondierungsarbeiten laut Genehmigung des Kreises dauern, dann beginnt teils bereits die Brutzeit, so dass Menschen dort stören würden. Die Untersuchungen sollen den Bodenaufbau zeigen, zudem wird nach möglichen Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg gesucht. Das Ganze passiert unter fachlicher Begleitung mit Blick auf die Ökologie, sagt Deichgräf Erich Weisser, der darauf hinweist, dass die Eingriffe in Flora und Fauna so gering wie möglich gehalten werden sollen. Schließlich ist am Ende die ökologische Aufwertung des Areals vorgesehen.

Allein die Planungskosten bilden eine Summe von 1,3 Millionen Euro - vorläufig. Denn es müssen diverse Gutachten für das anstehende Planfeststellungsverfahren erstellt werden. Die Kleinrammbohrungen, wie Fachleute sie nennen, führen in eine Tiefe von vier und acht Metern, die schweren Raumsondierungen acht Meter ins Erdreich. Im Herbst sollen die Unterlagen eingereicht werden, mit dem Planfeststellungsbeschluss rechnet man Mitte 2017, so dass im 1. Halbjahr 2018 nach der EU-weiten Ausschreibung mit der Umsetzung gestartet werden könnte. Bei dem Areal handelt es sich um ein Bergsenkungsgebiet, wobei Schäden - etwa bei lange unter Wasser stehenden Weiden - vom Land übernommen werden.

Die Arbeiten im Rheinvorland werden von einer Arbeitsgruppe begleitet, die sich mitten im betroffenen Gebiet trifft, dem Naturschutzzentrum Bislicher Insel. Dazu gehören Vertreter der Holz- und der Landwirtschaft ebenso wie Anwohner, Mitarbeiter der Biologischen Station im Kreis Wesel und Naturschützer, sagt Weisser.

Ziel der Anbindung an den Altrhein ist die komplette oder teilweise Vernässung des Gebiets, damit sich Vögel und bestimmte Gewächse wohlfühlen können. Ist die Überlaufstelle überschritten, kann es auch zu einer Überflutung des Eyländer Wegs in der Senke kommen. Das sei aber maximal an 70 bis 80 Tagen pro Jahr der Fall, wenn überhaupt. Denn dies hängt mit dem Wasserstand zusammen. Hochwasser gibt es in der Regel ja im Advent und im Frühjahr, eine Zeit in der die Radfahrstrecke ohnehin wenig genutzt wird. Weisser spricht übrigens von eine der bedeutendsten Naturschutzmaßnahmen am linken Niederrhein.