Blutroter Mantel war vorher braun

Pastor Stefan Schulz vor dem zur Hälfte restaurierten Wandbild.
Pastor Stefan Schulz vor dem zur Hälfte restaurierten Wandbild.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Restauration des Christophorus-Wandbildes fördert einige Überraschungen zu Tage - unter anderem eine Seerobbe und die Umrisse einer Meerjungfrau.

Hamminkeln..  Barbara Westerhoff (geb. Pollmann) war Anfang der Woche nach vielen Jahren mal wieder zu Besuch in Hamminkeln, wo sie ihre Kindheit verbrachte. Die 74-Jährige lebt heute in der Nähe von Kassel und besuchte jetzt unter anderem die evangelische Kirche ihres Heimatortes. Dabei fiel ihr auf, dass etwas an dem großen Christophorus-Wandbild anders ist als früher: „Als Kind habe ich oft und lange von den Kirchenbänken aus auf das Bild geschaut – doch es war irgendwie verschwommener, viel undeutlicher als jetzt. Und die Farben waren auch blasser.“

Die über 63 Jahre alten Erinnerungen der Dame täuschen nicht, denn seit Februar wird das 6,35 mal 4,08 Meter große Bild restauriert. Die obere Hälfte ist bereits fertig, die untere wird ab dieser Woche von Diplom-Restauratorin Vera Krüsel aus Düsseldorf in Angriff genommen. Vor Ostern wurde das Gerüst abgebaut, damit die Gemeindemitglieder sehen konnten, wie Christophorus in neuer Klarheit erstrahlt.

Fertigstellung bis zur Konfirmation

Am 10. Mai, wenn in der evangelischen Kirche die Konfirmation gefeiert wird, soll die Restaurierung abgeschlossen ein. Man darf gespannt sein, ob bis dahin noch weitere Überraschungen bei der Instandsetzung auftreten, denn in den vergangenen Wochen gab es gleich mehrere ungeahnte Entdeckungen: Ganz deutlich ist jetzt die Zeichnung einer Seerobbe zu erkennen, die sich bisher hinter einer Schicht aus Dreck und Staub versteckt hatte. Eher schemenhaft erblickt man neben der linken Wade des Christophorus die Umrisse einer Meerjungfrau. Rätselhaft bleiben Bedeutung und vor allem die Herkunft dieser beiden Figuren. Waren sie in der Originalversion aus dem 16. Jahrhundert schon vorhanden? Oder hat sie nachträglich jemand hinzugefügt? „Man weiß es leider nicht“, sagt Pfarrer Stefan Schulz, der die Arbeiten natürlich intensiv und voller Spannung verfolgt.

Suche nach fehlenden Buchstaben

Nach einer Feuchtreinigung, die die graue Dreck-Schicht über den Farben größtenteils beseitigt, wurde klar, dass der wehende Mantel der Hauptfigur keineswegs braun ist, sondern rötlich. „Da früher mit natürlichen Farben gemalt wurde, könnte durchaus Blut für diesen Bereich verwendet worden sein“, sagt Schulz, der hofft, dass noch ein weiteres Rätsel gelöst wird: „Im linken unteren Teil des Bildes ist ein Schriftband zu sehen, in dem man allerdings im Moment nur einzelne Buchstaben erkennen kann.“ Nun hofft man in Hamminkeln, dass die Restauratorin die „verschollenen“ Buchstaben irgendwie wieder sichtbar machen kann.

Möglich wird dies alles auch nur dank der großen Spendenbereitschaft in Hamminkeln – 21 500 von den insgesamt 24 000 Euro Restaurationskosten sind bereits zusammengekommen. Schulz: „Wir sind also auf der Zielgeraden!“