Bitter-süße Schokolade
09.02.2012 | 18:35 Uhr 2012-02-09T18:35:00+0100
Kreis Wesel.Der Evangelische Kirchenkreis und das Katholische Dekanat Wesel starten eine Kampagne für faire Kakaoproduktion.
„Schokolade macht glücklich“, heißt es so schön. Das mag zutreffen für den, der sie genießen kann - cremig und süß in den leckersten Geschmacksrichtungen. Doch was ist mit denen, die unsere Schokolade produzieren? Die Kindersklaven, die unter falschen Versprechungen aus ihren Familien gelockt und dann auf Kakaoplantagen ausgebeutet werden? Auf diese bittere und „dunkle Seite der Schokolade“ möchten der Evangelische Kirchenkreis und das Katholische Dekanat mit einer Kampagne aufmerksam machen.
Post an die Süßwaren-Industrie
Der Startschuss fällt am Dienstag, 28. Februar, um 19 Uhr im Lutherhaus an der Korbmacherstraße in Wesel. Friedel Hütz-Adams vom Siegburger Institut Südwind beschäftigt sich schon lange mit den Zusammenhängen zwischen Armut und Missständen in Entwicklungsländern und dem Verhalten von Wirtschaft, Politik und Verbrauchern in Deutschland. Er ist Hauptredner an diesem Abend. Die Veranstaltung ist öffentlich.
Anschließend soll die Kampagne bis Ostern 2013 laufen und durch verschiedene Aktionen Verbraucher und Süßwarenindustrie wachrütteln, wie der Schermbecker Pfarrer Dieter Hofmann das Ziel erklärt. „Fair gehandelte Schokolade soll kein Nischenprodukt mehr sein, sondern auch von den großen Produzenten angeboten werden.“
Die Organisatoren möchten Flyer verteilen, auf deren Rückseite eine Postkarte abgedruckt ist. Alle an den Kirchenkreis zurückgesandten Postkarten sollen nach Abschluss der Kampagne an die Süßwaren-Industrie gehen. Der evangelische Weseler Pfarrer Albrecht Holthuis nahm bereits Kontakt zu Supermärkten der Hansestadt auf und erhielt ganz unterschiedliche Antworten - von der Aussage, die Kunden würden nicht nach fair gehandelten Waren fragen bis hin zum ausgesprochenen Ziel, demnächst zertifizierte Schokoladen anbieten zu wollen.
„Es gibt erste Ansätze, um die Lebenssituation von Kindersklaven und Plantagenarbeitern zu verbessern“, weiß Dieter Hofmann. Genau da soll die Kampagne anknüpfen. „Ich weiß, dass wir die Welt damit nicht gravierend verändern werden, aber jeder Kindersklave weniger ist ein Erfolg.“
Um die Menschen im Kirchenkreis Wesel, der sich von Wesel bis Schermbeck und Emmerich erstreckt, für die „dunkle Seite der Schokolade“ zu sensibilisieren, ist geplant, das Thema in die alltägliche Arbeit in den Gemeinden zu integrieren. Sei es im Konfirmandenunterricht oder in der Erwachsenenbildung, bei Gemeindefesten oder in Themengottesdiensten. In den Gemeinden des Kirchenkreises soll zudem fair gehandelte Schokolade mit aufgedruckten Informationen verschenkt werden. Auch Schulen können sich beteiligen. Am Samstag, 3. März, von 10 bis 15 Uhr, ist eine Fortbildung für Lehrer im Haus am Dom in Wesel geplant.
Info-Materialien zur Kampagne, eine Medienkiste, mit deren Inhalt das Thema spielerisch erarbeitet werden kann, oder auch einen Film zum Ausleihen gibt es im Lutherhaus unter 0281/156-135.
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