Bildung ist der Rohstoff der Zukunft

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Wesel..  Der DGB Niederrhein, der DGB-Ortsverband und die Stadt Wesel hatten zum Arbeitnehmerempfang zum 1. Mai in den Ratssaal geladen. Musikalisch untermalt wurde der Festakt vom Jugendorchester der Musik- und Kunstschule Wesel. Zu den Ehrengästen zählten neben Vertretern des DGB der Bundestagsabgeordnete Dr. Ulrich Krüger, Landtagsabgeordneter Norbert Meesters sowie Guntram Schneider, NRW-Minister für Arbeit, Integration und Soziales. Gastgeberin Ulrike Westkamp zitierte in ihrer Ansprache aus einem Bericht der Industrie- und Handelskammer, nach dem die wirtschaftliche Lage in der Region, sowohl was die Arbeitsmarktsituation als auch die Stabilität der Preise angeht, nach wie vor stabil sei.

Wesels Bürgermeisterin forderte soziale Gerechtigkeit und keine systematische Bevor- oder Benachteiligung einzelner Gruppen. Sie dankte den Weseler Bürgern für die vorbildliche Versorgung und Unterbringung von Flüchtlingen und warnte zugleich: „Geistige Brandstifter gegen Flüchtlinge haben in Wesel keinen Platz.“ Der DGB-Ortsverbandsvorsitzende Jürgen Kosmann verwies darauf, mit der Einführung des Mindestlohns und des Rentenpaketes mehr soziale Gerechtigkeit erreicht zu haben.

Guntram Schneider begann seine mit Spannung erwartete Rede mit einem Lob an die Adresse von Ludger Hovest, der über Jahre hinweg deutlich gemacht habe, dass ohne eine organisierte Arbeitnehmerschaft in Wesel keine Politik zu machen sei. Der Landesminister setzte sich für eine soziale Arbeitsmarktpolitik ein, betonte aber: „Sozial ist für uns nicht Arbeit um jeden Preis, sozial ist gute Arbeit und das unterscheidet uns von anderen.“ Schneider setzte sich auch für die Wiedereinführung des Synchronisationsverbotes ein, welches verhindern soll, dass der Arbeitsvertrag eines Leiharbeitnehmers an seine Verleihung gekoppelt ist. „Alles andere ist modernes Tagelöhnertum und das lehnen wir ab.“ Ebenso kritisch betrachtete der ehemalige Gewerkschaftsfunktionär die Entwicklung im Bereich der Teilzeitverträge. „Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass Menschen bewusst in die Teilzeit gedrängt werden und das sind meistens Frauen. Wenn die Entwicklung so weitergeht, wird durch die Teilzeit die Altersarmut gefördert“, so Schneider. Als besorgniserregend bezeichnete der Minister den Rückgang der abgeschlossenen Ausbildungsverhältnisse. Auf diesem Gebiet habe NRW „die rote Laterne im Konzert der Bundesländer“, was sich schon in wenigen Jahren am Fachkräftemangel zeigen könne. Einziges Gegenmittel aus seiner Sicht ist die Investition in Bildung. „Bildung ist der Rohstoff der Zukunft, deshalb darf kein Talent ungenutzt bleiben“, forderte der Sozialdemokrat und belegte seine These mit Zahlen: „Es gibt in NRW zurzeit 300 000 Langzeitarbeitslose. 60 Prozent davon sind ohne berufliche Qualifikation.“