Bilder eines Lebens

Eva Pankok im Wohnzimmer von Haus Esselt in Drevenack.
Eva Pankok im Wohnzimmer von Haus Esselt in Drevenack.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
90 Jahre alt wird Eva Pankok am 14. Juli. Zu ihren Ehren öffnet am Sonntag eine außergewöhnliche Ausstellung im Otto-Pankok-Museum in Drevenack.

Hünxe..  Weihnachten hat sie immer ein Bild gemalt. Meist war es noch feucht, wenn die Bescherung nahte und sie es ihrem Vater überreichte. Eva Pankok erinnert sich gern daran. An die Zeit, als sie mit ihren Eltern Otto und Hulda zusammen war, an ihre Großeltern. Alle waren sie kreativ, die Großmutter noch im hohen Alter. Das ist bei Eva nicht anders. In vier Tagen wird sie 90 Jahre alt, aber das Malen gehört nach wie vor zu ihren großen Freuden.

Die Sonne und das Licht, ganz wichtig für ihre Werke, findet sie nicht nur rund um das altehrwürdige Drevenacker Haus Esselt, in dem einst der Adel residierte, sondern vor allem in Europas Süden. Früher ist sie mit ihrem Vater ins ehemalige Jugoslawien gereist, nach Montenegro und nach Mazedonien. Es ging aber auch nach Frankreich, ein Ziel, das nach wie vor auf ihrem sommerlichen Reiseplan steht. Denn in Le Grand Clermond in der Provence hat sie ein Haus.

Die Liebe zur Natur

„Wenn’s warm wurde, war ich immer weg“, resümiert die Frau mit den wachen Augen und dem berühmten Vater. Die beiden und Mutter Hulda seien stets einer Meinung gewesen, sagt sie, eine harmonische Familie. Unterschiede gab es vor allem im künstlerischen Wirken. Während Otto Pankok grundsätzlich schwarz-weiß malte oder druckte, explodieren die Farben bei Eva Pankok geradezu. Ähnlichkeiten zwischen den Arbeiten von Vater und Tochter gibt es dennoch, wie die aktuelle Ausstellung (siehe Box) an manchen Stellen anschaulich zeigt. Es ist die Liebe zur Natur und zur Kreatur, Mensch wie Tier, die die beiden eint. „Sie lebt von Freundschaften und mit den Freundschaften“, weiß Annette Burger vom Vorstand der Otto-Pankok-Stiftung, die auch darauf verweist, dass rund ums Pankok-Museum alles ehrenamtlich unter Freunden läuft. Eva Pankok pflege ihre Verbindungen. So wie bis zu deren Tod mit Fritzi Rosenwald, die sie in der Provence kennenlernte und von der momentan auch einige Bilder im Museum zu sehen sind. Oder mit Romani Rose, dem Vorsitzenden des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma. 1948/49 schloss Eva nach dem Krieg erste große Freundschaften mit Sinti und Roma am Höherweg in Düsseldorf, wo sie auch malte. Sie freut sich auf ein Wiedersehen mit vielen ihrer Wegbegleiter und Freunde.

„Das Malen macht ja Spaß“, sagt sie, „deshalb dachte ich als Kind immer, mein Vater hat keinen Beruf.“ Es war auch mehr eine Berufung für Otto Pankok, den Maler, Grafiker und Bildhauer, dem eigentlich die Räume des im malerischen Garten von Haus Esselt gelegenen Museums vorbehalten sind. Doch zum runden Geburtstag gibt es eine Ausnahme, und die Besucher werden auch von farbenprächtigen Werken der Tochter des Hauses empfangen. „Die Farben überlasse ich dir“, soll Otto Pankok zu Eva oft gesagt oder sie gar „meine Farbe“ genannt haben. Sogar Werke aus Evas Kinderzeit können bewundert werden, denn „es wurde nie etwas weggeschmissen“.

Ein Stück Vergangenheit

Wer heute das idyllisch gelegene Museum besucht, dem begegnen nicht nur glückliche Hühner. Es ist auch ein Stück Vergangenheit, in das man sich zurückversetzt fühlt, fast so, als wäre die Zeit hier stehen geblieben. Das gilt vor allem für das Wohnhaus mit seinen dicken Wänden und der wuchtig-derben Holztür. Denn hier sieht es fast überall noch genauso aus wie unmittelbar nach dem Einzug der Familie in den 50er-Jahren. Mit ein bisschen Glück treffen Interessierte auch auf die Hausherrin, die gern erzählt und zu fast jeder Arbeit ihres Vaters die Geschichte kennt. Denn eines ist sicher: Alle Bilder, die hier zu sehen sind, haben ein Motiv, das es irgendwann irgendwo so einmal gegeben hat...