Bilder der Welt

Ehefrauen? Töchter? Wer verbirgt sich hinter dem Schleier? Eine Momentaufnahme aus dem Jemen.
Ehefrauen? Töchter? Wer verbirgt sich hinter dem Schleier? Eine Momentaufnahme aus dem Jemen.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Helmut Westkamp hat von seinen Reisen nach Asien, Südamerika und in die arabische Welt tausende Fotos mitgebracht. Eine Auswahl zeigt er nun in Wesel

Wesel..  Wenn Helmut Westkamp zurückdenkt, fing alles mit diesem Foto an. Es war vor etwa zehn Jahren auf der tunesischen Insel Djerba, als dem Weseler eine Gruppe Mädchen vor die Kamera geriet. Zehn, zwölf Jahre mögen sie gewesen sein, herausgeputzt für eine Parade am Tag der Jugend. „Foto, Foto!!!“, riefen die Kinder. Helmut Westkamp ließ sich nicht lange bitten. Er drückte auf den Auslöser, hielt die Szene fest.

Zwei kleine Grazien im Vordergrund, eine Zahnlücke, ein bisschen „Rotz unter der Nase“ - aus den Augen strahlt die pure Lebensfreude. Helmut Westkamp war fasziniert. „Und das, obwohl sie in materieller Hinsicht ein schlechteres Leben führen als wir.“ Er vergrößerte das Bild und hängte es in sein Büro. Ab Sonntag ist es im Rahmen seiner ersten Fotoausstellung im Restaurant Art zu sehen.

Charme und Tiefgang

Für Helmut Westkamp markiert das Bild den Beginn einer Leidenschaft. Tausende Fotografien sind seither auf Reisen rund um den Globus entstanden. Im Fokus stehen die Menschen, die er unterwegs traf. „Für mich sind sie interessanter als Landschaften oder Sehenswürdigkeiten.“

Das Ergebnis sind Augen-Blicke mit Charme und Tiefgang. Da trifft man auf eine alte Frau in China mit Lebensklugheit im Blick. Da begegnet man zwei Jungen im Iran, die lachend am Straßenrand stehen. „Die freundlichsten Menschen“, sagt Westkamp, „leben im Iran.“ „Längst nicht alle sind mit dem Regime einverstanden“, fügt er hinzu.

Ein weiteres Bild präsentiert ein Quartett, das ihm im Jemen vor die Linse lief. Gemeinsam flaniert es am Ufer einer Küstenstadt: Drei schwarz verschleierte Frauen, in der Mitte ein deutlich kleinerer Mann. „In welchem Verhältnis die wohl zueinander gestanden haben?“, denkt Westkamp laut nach. „Drei Ehefrauen? Oder sind das Töchter?“ Er überlegt oft, was aus den Menschen, die er abgelichtet hat, geworden ist. Nun ziert die Aufnahme die Einladungskarte zur Ausstellung „Reisen in andere Welten“. Für Helmut Westkamp ist es die erste öffentliche Präsentation seiner Arbeiten. Schon oft hat man ihm empfohlen, seine Fotografien zu zeigen, erinnert er sich. Jetzt ergab sich die Gelegenheit.

Die 20 Bilder, die er ausgewählt hat, stammen aus den letzten zwölf Jahren. Sie entstanden in China und Kambodscha - die meisten jedoch in der arabischen Welt: Szenen in Libyen und im Jemen, im Oman und in Syrien vor dem Bürgerkrieg.

Im Laufe der Zeit haben Helmut Westkamp und seine Frau, Bürgermeisterin Ulrike Westkamp, alle diese Länder besucht. Helmut Westkamp: „Gerade in der heutigen Zeit, in der alles zusammenhängt, wollen wir uns einen eigenen Eindruck machen. Man darf nicht vergessen: Das eine steht in der Zeitung, das andere entdeckt man am Straßenrand.“

Für ihn ist das Fotografieren ein Ausgleich zu seinem Schreibtischjob. In Bremen leitet er das Job-Center. Vorher hat er für die internationale Job-Vermittlung gearbeitet. Auch in dieser Funktion führten ihn Reisen in die Ferne; nach Vietnam etwa, Namibia, Peru, Chile, in die Mongolei und nach Afghanistan.

Viele fühlen sich ausgegrenzt

Am Ende das Stichwort Paris. Helmut Westkamp hat seine Auswahl über die arabischen Länder vor dem Attentat auf Charlie Hebdo und die neusten Meldungen über die Dinslakener Terrorzelle zusammengestellt. Er weiß auch, dass die Mittel der Einflussnahme bescheiden sind, „vor allem, weil ich ja kein Profi bin.“

Und trotzdem: Er fände es schön, wenn seine Aufnahmen dazu beitragen könnten, die Welt ein bisschen besser zu verstehen. Ihm haben seine Reisen dabei sehr geholfen. Westkamp formuliert vorsichtig. Er betont, dass das, was er sagt, keine Legitimation der Gewalttaten sein soll.

Und dennoch: „Wir müssen uns auch in Deutschland bemühen, Menschen aus anderen Kulturen zu integrieren. Viele fühlen sich ausgegrenzt. Mit furchtbaren Folgen.“