Bewegung für Körper und Seele

Gemeinsam bewegen macht fit, auch nach einer Herz-OP. Jeder leistet, was er kann - und der Arzt ist immer dabei. Das schafft Sicherheit.
Gemeinsam bewegen macht fit, auch nach einer Herz-OP. Jeder leistet, was er kann - und der Arzt ist immer dabei. Das schafft Sicherheit.
Foto: FUNKE Foto Services / Gerd Herma
Was wir bereits wissen
Seit 35 Jahren bietet der SuS Wesel-Nord Herzsport an – Patienten testen sicher ihre Grenzen aus

Wesel..  Herzprobleme, ein Infarkt beispielsweise, werfen Menschen aus der Bahn, körperlich wie seelisch. „Viele kommen direkt nach der Reha zu unserem Herzsport“, sagt Peter Belting, Vorsitzender des SuS Wesel Nord. „Und für manchen ist es das erste Mal überhaupt, dass er Sport treibt.“ Seit nunmehr 35 Jahren bietet der SuS Herzsport an und der Bedarf ist groß: Rund 100 Mitglieder turnen derzeit in den Gruppen. Ein Kardiologe ist grundsätzlich immer dabei. Einer von ihnen ist Peter Sondermann. „Es gibt nur sehr wenige Herzpatienten, denen wir Sport untersagen. Sonst ist es immer zu befürworten“, sagt der Mediziner.

Das ist leicht gesagt, doch viele Patienten sind tief verunsichert. „Sie lernen bei uns ihre eigenen Grenzen kennen und trauen sich, sich zu bewegen“, erläutert Abteilungsleiterin Gisela Küpper-Krogoll. Ausdauertraining für Herz und Kreislauf ist ein Sinn des Sports. Ein anderer ist es, sich mit Leidensgenossen gemeinsam etwas zuzutrauen, ohne sich zu gefährden. Das macht wieder Mut zum Leben.

Der anwesende Arzt gibt Sicherheit, ganz praktisch im Notfall, aber auch im Kopf. Zudem haben die Übungsleiter eine spezielle Ausbildung, wissen genau, wem sie was zumuten dürfen.

Herzsport wird vom Hausarzt oder Kardiologen verschrieben, bis auf einige private übernehmen die Kassen die Kosten dafür. Bewegung in Gemeinschaft macht Sinn, denn: „Allein zuhause tut das kein Mensch“, sagt Küpper-Krogoll. Ihre Herzsportabteilung hat sich zur vitalsten des Vereins gemausert, Herzkrankheiten sind ein Volksleiden. „Und nicht mehr nur der Männer. Frauen haben in den vergangenen Jahren aufgeholt“, sagt Kardiologe Sondermann.

Beim SuS sind alle Herzpatienten, unabhängig von ihrer Leistungsfähigkeit, zusammen in den Gruppen aktiv. „Die individuelle Leistungsfähigkeit wird vom Arzt auf dem Ergometer ermittelt. „Wer weniger leisten kann, macht eben häufiger Pausen.“ Es gibt zudem Präventionsgruppen, in denen herzgesunde Menschen mit einer familiären Vorbelastung mit Zustimmung ihrer Ärzte trainieren.

Doch Sport ist nicht alles, der Verein bietet soziale Kontakte, gemeinsame Erlebnisse. Man grillt, unternimmt Tagesfahrten, kann über seine Probleme sprechen. Der Spaß kommt nicht zu kurz. „Manchmal vergleichen die Männer, wer die längste OP-Narbe hat“, schmunzelt die Abteilungsleiterin. Manche fühlen sich wohl im Verein und bleiben. Auch ohne weitere Verordnung.