Bewährungschance erstritten

Wesel..  Ein 31-jähriger Weseler machte sich am 5. Dezember 2014 auf seinem Balkon am Rande der Innenstadt in eindeutiger Weise an sich selbst zu schaffen. Ein Anblick, der eine Nachbarin so fassungslos machte, dass sie die Polizei rief. In der Berufung vor dem Landgericht Duisburg erstritt der Mann gestern eine Bewährungschance.

Laut Anklage hatte der 31-Jährige sich auf seinen Balkon begeben, darauf gewartet, dass die Nachbarin zu ihm sah und dann die Hose heruntergelassen. Das Amtsgericht Wesel hatte ihn wegen Exhibitionismus zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Eine weitere Bewährungschance sah der Amtsrichter für den mehrfach, wenn auch nicht einschlägig vorbestraften Bewährungsversager nicht.

Sein Mandant habe sich mit einer Sexualtherapeutin in Verbindung gesetzt, so der Verteidiger gestern. Aber nicht einmal die sei sich sicher, ob beim Angeklagten exhibitionistische Neigungen vorhanden seien.

Juristische Kernfrage

Womit man schon bei der juristisch-akademischen Kernfrage angelangt ist: Zeigte sich der Angeklagte der Frau, um sich sexuell zu erregen, oder betätigte er sich zwar eindeutig, war aber gar nicht auf Zuschauer versessen? Genau das macht den Unterschied zwischen Exhibitionismus und Erregung öffentlichen Ärgernisses aus – wenn auch nicht im Strafmaß.

Der Angeklagte beteuerte, er habe sofort aufgehört, als er die Zuschauerin bemerkt habe. Die Zeugin, die auf einem rund 50 Meter entfernten Balkon schräg gegenüber stand, hatte gegenüber Polizei und Gericht widersprüchliche Angaben gemacht.

Die Klärung der offenen Fragen in zweiter Instanz erwies sich als schwierig: Die Nachbarin und eine weitere Zeugin fehlten. Der Vorsitzende Richter machte sich die Mühe, die beiden Zeuginnen anzurufen, die den Termin angeblich verschwitzt hatten und schließlich mit erheblicher Verspätung ihre Aussagen machten, die eher die Version des Angeklagten stützten.

Am Ende stand ein Berufungserfolg für den 31-Jährigen: Das Landgericht verurteilte ihn statt wegen Exhibitionismus wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses. Und die drei Monate wurden zur Bewährung ausgesetzt.