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Betuwe-Anlieger wollen nicht Bürger 2. Klasse sein

03.02.2016 | 19:00 Uhr
Betuwe-Anlieger wollen nicht Bürger 2. Klasse sein
Ein Güterzug auf der Bahnstrecke zwischen Wesel und Emmerich.Foto: Gerd Hermann

Wesel/Hamminkeln.   Betuwe-Anrainer kämpfen weiter für besseren Lärmschutz - bislang ohne Erfolg. In Baden-Württemberg ist allerdings das gelungen, was hier offenbar nicht funktioniert.

Betuwe-Anlieger am Niederrhein richten in diesen Tagen den Blick nach Baden-Württemberg. Die dortigen Bahnanrainer können seit Ende der Woche aufatmen, beschloss doch der Bundestag, für diesen Bereich neue nationale Maßstäbe für den Schutz vor Schienenlärm zu setzen. Er geht weit über das gesetzliche Regelwerk hinaus. Geplant ist der menschen- und umweltgerechte Ausbau der Rheintalbahn. Unter anderem soll ein sieben Kilometer langer Bahntunnel entstehen, der Offenburger Tunnel.

Für den Weseler Gert Bork, der in der Feldmark wohnt, selbst von der Betuwe betroffen und von der Bürgerinitiative Betuwe - so nicht! ist, steht fest: „Der Bundestagsbeschluss stempelt uns zu Bürgern 2. Klasse.“ Es gehe hier „um viel mehr als nur um ein paar armselige Pechvögel, die direkt am Gleis wohnen“.

Landräte ducken sich weg

Denn der Lärm-Teppich breite sich rechts und links der Gleise über je einen Kilometer aus. Und mehr noch: Die Zone mit tödlicher Bedrohung bei einem Unglück mit einem Kesselwagen umfasse jeweils acht Kilometer. Betroffen seien also viele 100 000 Menschen entlang Europas wichtigster Güterzugtrasse.

In Baden-Württemberg hätten die Landräte massiven Druck ausgeübt, so dass der Bundestag nun einen deutlich höheren Lärmschutz genehmigt habe, als er gesetzlich vorgeschrieben sei. 1,5 Milliarden Euro soll er kosten. Davon kann man in Wesel und Hamminkeln nur träumen. „Bei uns werden die Kommunen von den Kreisen allein gelassen“, beklagt sich Bork. Der Klever Landrat Wolfgang Spreen ignoriere das Problem, sein Weseler Kollege Ansgar Müller verhalte sich genauso und ducke sich weg. So sei für den Niederrhein nicht nur schlechterer Lärmschutz als in Baden-Württemberg geplant, obendrein fehlten sogar noch 40 Millionen Euro für die von der Feuerwehr geforderte Technik.

In einem Brief an die Kreistagsfraktionen fordert der Verband der Bürgerinitiativen entlang der Betuwe die Politik auf, den Druck auf Landrat Müller zu erhöhen, damit er endlich für die Bürger im Kreis aktiv wird. Gleichzeitig werden die Fraktionen um eine Stellungnahme gebeten, sowohl zum Thema Landrat als auch zur Sicherheit am Gleis. Sie soll veröffentlicht werden, so die Absicht.

Sowohl NRW-Verkehrsminister Michael Groschek als auch die hiesigen Landtagsabgeordneten, darunter Norbert Meesters, hätten den Ernst der Lage erkannt.

Petra Herzog

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2016-02-03 19:00
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