Begeisterung für fernen Kometen

Kometen-Mann Gerd-Lutz Schott aus Obrighoven mit seinem selbstgebauten Teleskop.
Kometen-Mann Gerd-Lutz Schott aus Obrighoven mit seinem selbstgebauten Teleskop.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Der Weseler Gerd-Lutz Schott hat seit Wochen den Schweifstern Lovejoy im Blick. Und nicht nur dies: Täglich beobachtet und dokumentiert er Sonnenflecken.

Wesel..  Lovejoy hat es Gerd-Lutz Schott angetan. Er ist regelrecht fasziniert von seiner „Schönheit“: Der Weseler Hobby-Astronom verfolgt schon seit Tagen gebannt den Kometen, der sich am 7. Januar bis auf „nur“ 70,1 Millionen Kilometer der Erde genähert hatte, mittlerweile aber schon wieder etwa dreimal so weit entfernt ist.

Durch sein riesiges Fernrohr hat der Rentner den „schmutzigen Schneeball“, wie er Himmelskörper mit einem Durchmesser von 300 bis 400 Metern nennt, von seiner Gartenterrasse in Obrighoven aus nicht nur immer wieder genau beobachtet, sondern auch richtig toll fotografiert.

Auf den mit seinem Teleskop mit einer Brennweite von 2000 Millimetern geschossenen Aufnahmen ist einerseits ein grünlicher Schimmer rund um den Kometen zu erkennen, andererseits auch ein – allerdings nur hauchdünner – Schweif. „Die Farben entstehen durch Brechung des Sonnenlichts, ähnlich wie bei einem Prisma“, so Schott zum Zustandekommen seiner Himmelsbeobachtung.

Wer den Kometen, der vor zwei oder drei Jahren von einem Amerikaner entdeckt wurde, erblicken möchte, sollte sich beeilen. „Bald ist er von Wesel aus nicht mehr zu sehen“, sagt der 69-Jährige. Gestern hat er das „Objekt seiner Begierde“, das auch als Schweifstern bezeichnet wird, noch einmal gut vor die Kamera bekommen, doch Lovejoy entfernt sich mehr uns mehr: „Er ist vom Siebengestirn unterwegs in Richtung Herkules und Andromeda.“ Laut Schott ist er aktuell von Spanien bis Norwegen zu beobachten.

Sonnenfleckforscher

„Hauptsächlich bin ich Sonnenfleckenforscher“, sagt Gerd-Lutz Schott. Wenn es die Bewölkung zulässt, schaut er täglich – natürlich mit einer Schutzfolie vor dem Fernrohr – in die Sonne und dokumentiert die Sonnenflecken. Und das schon seit 40 Jahren.

Seine Beobachtungen meldet er unter anderem der Nasa, die daraus Rückschlüsse ziehen kann. Denn „Aktivitäten auf der Sonne können Einfluss auf unser Leben auf der Erde haben“, sagt der Weseler und konkretisiert: „Das Magnetfeld der Erde kann durcheinandergeraten. Die Elektrizität der Überlandleitungen könnte sich erhöhen, Kondensatoren platzen und letztlich ganze Gegenden ohne Strom dastehen.“

Außerdem gebe es weitere Naturereignisse, die den Wissenschaftlern aktuell noch Rätsel aufgeben, aber auch in Zusammenhang mit Aktivitäten auf der Sonne stehen könnten.

In dieser Woche hatte der Hobby-Astronom Viertklässler der Grundschule am Lauerhaas in seinen Garten eingeladen. Er versucht schon Kinder fürs Sterne-Gucken zu begeistern, weiß aber auch: „Wenn man mit bloßem Auge in den Nachthimmel guckt, sieht man außer hellen Punkten erstmal nichts.“

Dunkle Umgebung, starkes Tele

Voraussetzung für spannendere Beobachtungen seien neben einer möglichst dunklen Umgebung ein gutes Fernrohr oder starkes Teleobjektiv mit mindestens 300 Millimetern Brennweite. Bei einer Fotografie von Himmelskörpern nutzt Schott zudem eine Nachführautomatik, da Sterne ihre Bahnen ziehen und sich diese Bewegung bei einer Belichtungszeit von 27 Sekunden störend aufs Bild auswirken würde.

So schön wie jüngst hat der 69-Jährige selten einen Kometen vor die Linse bekommen. „Solch ein Glück hat man etwa nur alle 30 Jahre“, schwärmt er. Natürlich hält der Sternenforscher in sternenklaren Nächten weiter nach „neuen“ Himmelskörpern Ausschau.