Bäume müssen wieder her - wenn es nach den Bürgern ginge...
15.02.2012 | 18:04 Uhr 2012-02-15T18:04:00+0100
Wesel. SPD hatte zur Diskussion über die Rheinpromenade interessierte Bürger eingeladen. Unterschiedliche Erlebnisräume .
Ein erstes Meinungsbild zur Gestaltung der Rheinpromenade wollte sich der SPD-Ortsverein Wesel Mitte/Büderich verschaffen und hatte am Dienstagabend interessierte Bürger zur Diskussion eingeladen. „Rheinpromenade - zurück auf Start oder einfach mal was Neues machen?“ lautete die Frage, die Vorsitzender Norbert Meesters in den Raum stellte. Auch wenn die Antworten vielschichtig ausfielen: Der überwiegende Teil der Teilnehmer wünscht sich, dass wieder neue Bäume gesetzt werden.
„Es sieht kahl und öde aus“, stellte Meesters zu Beginn der Veranstaltung im Hotel „Welcome“ fest. Die SPD nehme diese „Tabula-rasa-Situation“ zum Anlass, sich Gedanken über die Gestaltung der Promenade zu machen. Dabei soll es jedoch nicht um eine Neuplanung, sondern vielmehr um eine Aufwertung der Rheinpromenade gehen.
Bevor die gut 25 Besucher der Versammlung in die Diskussion einstiegen, erläuterte ASG-Betriebsleiter Ulrich Streich den Grund der umfangreichen Fällaktion. Er habe großes Verständnis für die Emotionen, die das Absägen der Bäume ausgelöst habe. Auch seinen Mitarbeitern sei es schwer gefallen, die Säge anzusetzen. Doch letztlich habe man als Folge des schweren Sturms im vergangenen Jahr keine andere Wahl gehabt, als die 40 bis 50 Jahre alten Pappeln zu fällen.
Für eine Neuanpflanzung schlug Streich widerstandsfähige Bäume wie etwa Säulen-Ulmen vor, wies aber darauf hin, dass bei einer Bepflanzung auch die Bezirksregierung ein Wort mitzureden hat (Überschwemmungsgebiet). Generell sei man in Düsseldorf mit Bäumen einverstanden, allerdings müssten die Abstände größer sein als bisher.
Professor Dr. Günther Quast vom Fachbereich Landschaftsplanung und -ökologie der Hochschule Bochum aus Diersfordt, der bereits 2002 gemeinsam mit Studenten im Rahmen der Regionale 2012 den Bereich Rheinpromenade untersucht hatte, wollte mit seinem Vorschlag eine Diskussionsgrundlage schaffen. Für den Experten gibt es kaum eine Promenade, die den Landschaftscharakter des Niederrheins so gut einbindet. Er schlug verschiedene Aufenthaltsebenen für die Rheinpromenade vor, in denen sich die vorhandenen Örtlichkeiten und Angebote (Anlegestelle/Ausflugsschiff und die Aussichtsplattform auf dem Brückenpfeiler) ebenso wiederfinden, wie die Möglichkeit zum Flanieren und Verweilen. Quast stellte zur Diskussion, mit einem Radweg Transparenz zum Hafen zu schaffen. Natürlich müssten auch wieder Bäume (Ulmen oder Platanen) gepflanzt werden.
Biergarten ja oder nein?
Dort, wo sich jetzt noch Bäume befinden, sollte eine Allee entstehen, hatte der Gestaltungsbeirat bei einer Besichtigung der Rheinpromenade Anfang Februar vorgeschlagen, berichtete Bürgermeisterin Ulrike Westkamp. Die Idee eines Biergartens in der Nähe des Rheinbades sei positiv aufgenommen worden. Sehr viel müsse nicht gemacht werden, um die ohnehin attraktive Situation aufzuwerten, lautete das Resümee des Beirates.
Die Grünlinie entlang des Rheins muss unbedingt erhalten bleiben, plädierte Dagmar Ewert-Kruse, die den Quast-Vorschlag der unterschiedlichen Zonen sehr lobte. Für sie gehören Bäume einfach an die Promenade, während Hecken die Sicht auf den Fluss nehmen. „Da wo Bäume waren, sollten auch wieder welche hin. Sie sind die Klimaanlage für die Stadt“, betonte Rolf Blommen (SPD). Wie wichtig diese ökologische Funktion an einer so stark frequentierten Wasserstraße ist, zeige sich beim Blick auf die Westfassade des Hotels, die mittlerweile rußgeschwärzt sei. Und das, obwohl bis vor wenigen Wochen noch Bäume am Ufer standen. Er bezweifle, ob die 29 Bäume vor den Hotel tatsächlich alle hätten gefällt werden müssen.
Zahlreiche Anregungen
Ganz unterschiedlich fiel die Reaktion der Bürger zum Vorschlag Biergarten aus. Für die einen reicht das Gastronomieangebot, andere sahen es als willkommene Ergänzung.
SPD-Ratsmitglied Karlheinz Hasibether, Moderator des Abends, freute sich über die zahlreichen Anregungen.
Neue Idee: Bürgerwald - ein bisschen anders
Den Vorschlag der SPD für einen Bürgerwald findet Dagmar Ewert-Kruse im Prinzip gut. Doch die Vorsitzende der Bürgerstiftung Historische Rathausfassade schlug am Dienstagabend angesichts der fehlenden Bäume an der Fischertorstraße eine Variation vor. „Wie wär’s denn, wenn Bürger Bäume für bestimmte Plätze stiften, um zum Beispiel Lücken zu schließen?“, fragte sie. Sie selbst wäre gemeinsam mit ihrem Mann bereit, anlässlich ihres bevorstehenden Silberhochzeitstages Ende des Monats einen großen Baum an der Fischertorstraße zu pflanzen, versprach sie.
0mitdiskutieren