„Backen ist wie Malen“

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Schermbeck..  Es gibt Tage, da ist selbst der süßeste Job kein Zuckerschlecken. Die Sonne knallt auf die Mittelstraße. Bianca Dickmann hält die Stellung, auch bei 30 Grad. Was wäre der Wochenmarkt ohne Schermbecks Zuckerbäckerin? Wie üblich ist die 35-Jährige um vier Uhr aufgestanden. Sie hat Brot und Kuchen gebacken, alles verziert und in ihren quietschgelben Peugeot Boxer mit der schmucken Holztheke gepackt. Jetzt ist es kurz nach zehn, und die ersten Kunden waren schon da. Noch bis 13 Uhr steht die gebürtige Schermbeckerin auf dem Parkplatz vor Rossmann, wie jeden Donnerstag. Danach liefert sie Bestellungen aus, bereitet den nächsten Arbeitstag vor. Feierabend ist gegen 21 Uhr.

Kirschschmand, Apfel- und Schokoladenkuchen stehlen einander die Schau, jedes Stück ein kleiner Traum. Dahinter strahlt Frau Dickmann mit der Sonne um die Wette. Sie hat gute Laune, trotz oder gerade wegen ihres Fulltime-Jobs, das Konditorhandwerk macht ihr großen Spaß. Vor allem, seit es „richtig gut“ läuft. Dass ihre Kreationen der Hitze trotzen, ist der Kühlung zu verdanken, die ihr Vater mit einer Lkw-Batterie und Wechselrichter gebastelt hat. So bleibt alles frisch und appetitlich.

Schon als Kind half sie ihrer Oma beim Backen, erzählt Bianca Dickmann. Und für kreatives Handwerk hat sie sich immer interessiert. Kein Wunder, dass sie sich letztlich für eine Kombination entschied. „Torten backen“, sagt sie, „ist wie Malen oder Kunst.“

Nach ihrer Bäckerei-Ausbildung schob sie eine Konditorlehre hinterher. Dann arbeitete die junge Frau zehn Jahre als Angestellte. Das hat ihr irgendwann nicht mehr gereicht, „ich wollte etwas Besonderes machen.“ Seit Herbst 2011 ist sie selbstständig. Ihre Idee: konsequent natürliche Zutaten verwenden. Bianca Dickmann bereitet sogar Biskuitteig selbst zu, sie nimmt keine Margarine, sondern Butter, außerdem Schmand, Joghurt, viele frische Früchte. Ihre Rohstoffe tragen fast schon Namen. Die Eier stammen von einem Hof in Drevenack, das Mehl wird in Dorsten gemahlen. Äpfel und Milch sind in Bricht zuhause und die Erdbeeren in Gahlen.

Ein Ladenlokal war ihr anfangs zu teuer. So hat sich Bianca Dickmann für einen Kleinbus entschieden. Gekauft hat sie ihn bei E-Bay, dann mit dem Vater umgebaut. Inzwischen ist das gelbe Auto ihr Markenzeichen geworden. „Meine Kunden wissen: In dem gelben Auto, das ist die Zuckerbäckerin.“ Wobei Bianca Dickmann mitunter schon vom eigenen Café träumt...

Fürs erste bleibt es aber beim Auto, mit dem sie auch sonntags über die Dörfer fährt und Brot und Brötchen verkauft. Besonderen Spaß machen Bianca Dickmann aber ihre Thementorten. Allein sechs Einschulungstorten entstanden im vorigen Jahr. Dazu kamen Hochzeits- und Geburtstagstorten, sogar eine Scheidungstorte, auf der die Braut dem (Ex-)Gatten einen Kinnhaken versetzt, war darunter. Wie viel verschiedene Rezepte sie kennt, weiß Bianca Dickmann nicht. „Ich kann alles backen.“ Sogar den Himmelskuchen, den sich eine Kundin extra wünschte. Sie brachte ihr das Rezept, beim nächsten Besuch konnte die Dame das fertige Produkt mitnehmen. Was hineinkommt? Rührteig, Biskuitmasse, Mandeln, Himbeeren, Sahne. Lecker!

Für Kuchen kann es einfach nicht zu heiß sein.