Ausflugslokal am Ort des patriotischen Freudenfestes

Der alte Saal.
Der alte Saal.
Foto: FUNKE Foto Services / Gerd Herma

Wesel..  Auf der gegenüberliegenden Seite der B58 liegt das Friedenswäldchen, das dem Haus auch seinen Namen gegeben hat. Ein historisches Stück Wesel, das aber bis 1969 gar nicht zur Stadt gehörte, sondern Obrighoven war.

1814 war Napoleons Zeit in Wesel abgelaufen, er war bei Leipzig geschlagen und vertrieben worden. Auch in Wesel wurden die Franzosen aus der Stadt gejagt. Die Geschichte des Ausflugslokals Am Friedenswäldchen ist eng mit diesem Ereignis verbunden. „Am 9. April 1814 versammelte sich das Landsturmbataillon Drevenack, das aus den Landsturmmännern aus Drevenack, Weselerwald, Krudenburg und Obrighoven bestand, auf der Dülmener Heide in Obrighoven, um ein großes Dankfest zu feiern. Hierzu hatten sich auch zahlreiche preußische und russische Offiziere eingefunden“, heißt es in einer Chronik, der Historischen Vereinigung Wesel, nachzulesen auf der Internetseite der Stadt. Der Drevenacker Pfarrer Nonne hielt die Rede, und er hatte genau für diesen Anlass ein Lied geschrieben, das die Nazis später für ihre Zwecke missbrauchten: „Flamme empor“. Erstmals sang man es in Obrighoven, zur Freudenfeier der Befreiung von den Franzosen.

Das eigentliche Friedenswäldchen pflanzten die Zeitgenossen im Herbst des gleichen Jahres, im Zentrum eine Eiche, von je drei Kreisen Buchen, Tannen und Birken umgeben.

Knapp 100 Jahre später, am 31. August 1913, war die Eiche abgestorben, man ersetzte sie durch einen Gedenkstein, der noch heute zu sehen ist. Wer je den Stein hebt, findet im Fundament Zeugnisse aus dieser Zeit, eine Urkunde, eine historische Abhandlung und andere Dinge.

Im gleichen Jahr wurde das Ausflugslokal gebaut, das den Namen „Am Friedenswäldchen“ bekam. „Das war patriotisch und das Lokal konnte ein wenig vom historischen Glanz profitieren“, erläutert Stadtarchivar Dr. Martin Roelen. Erst viel später, nach der Jahrtausendwende, wurde daraus profan der Waldhof. Bis es soweit war, hatten die Obrighovener Schützen eine über jahrzehntelange enge Beziehung zum Haus, im Saal wurde geschossen und die Königinnen und Könige hielten hier ihre Krönungsbälle ab.