Auch über ungerade Wege zum Abi

Wesel..  Die erfolgreichste Stufe seit die Noten-Durchschnitte vermerkt werden, das sind die 108 Abiturientinnen und Abiturienten des Berufskollegs Wesel, die am Samstag in der Niederrheinhalle ihren Abi­ball feierten. Ein Grund, stolz auf sich zu sein. Gleich 19 von ihnen erreichten einen Schnitt mit einer eins vor dem Komma. Einer schaffte sogar die 1,0: Timo Daniel Seifert, der das Abitur im Fachbereich Wirtschaft und Verwaltung erlangte. Patrick Heide, der den Fachbereich Technik belegte, folgte ihm mit einem 1,2er-Abitur. Im Fachbereich Erziehung und Soziales freuen sich Lina Boland, Thomas Willemsen und Tom Hansen je über einen Abitur-Schnitt von 1,4.

„Erfolg nicht schlechtreden“

Dass die Abiturienten stolz auf ihre Leistungen sind, das forderte auch der neue Schulleiter Christian Drummer-Lempert. Er setzte sich in seiner Ansprache kritisch mit den Schlagzeilen der letzten Wochen, das Abitur habe keinen Wert mehr und gute Noten würden zu großzügig verteilt, auseinander. Sein Tipp an die Abiturienten: „Hören sie weg. Lassen Sie sich ihren Erfolg nicht klein- oder schlechtreden.“ Gleichzeitig betonte er, dass er ebenso viel Achtung vor denen habe, die ein Abitur mit einer drei vor dem Komma haben: „Wenn ich weiß, dass dahinter Einsatz steht und der Wille, das Beste aus seinen Möglichkeiten zu machen“, so Drummer-Lempert.

Er erinnerte die Eltern der Absolventen daran, dass viele nach der Grundschule nicht die Gymnasial-Empfehlung bekamen und nun trotzdem das Abitur erlangten – „Auch ungerade Wege können zum Ziel führen.“ Dabei hätten die Abiturienten des Berufskollegs noch einen entscheidenden Vorteil: Berufliche Kenntnisse in ihrer Fachrichtung. Für ihn sei es ein besonders emotionaler Moment gewesen, als die Abiturienten zu dem Lied „Auf uns“ von Andreas Bourani einliefen. Und das nicht nur, weil er ein begeisterter Fußball-Fan sei: Für den Schulleiter war es der erste Abitur-Jahrgang, das bleibt etwas Besonderes.

Glückwünsche gab es auch von offizieller Seite. Die dritte stellvertretende Bürgermeisterin Marlies Hillefeld gab den jungen Erwachsenen mit auf den Weg: „Bleiben Sie neugierig, mischen Sie sich ein und lassen Sie sich nicht einschüchtern.“

Neue Herausforderungen

Der stellvertretende Landrat Heinrich Friedrich Heselmann ermutigte die stolzen Abiturienten, sich neuen Herausforderungen zu stellen. „Haben Sie keine Angst vor der Zukunft, sie beginnt erst morgen“, so Heselmann. An dem Abend hatten sie sicher alles andere als Angst vor der Zukunft – denn da feierten sie sich.

Bevor es für den Abiball in die Niederrheinhalle ging, wurde ein Gottesdienst im Willibrordi-Dom abgehalten, den die Schüler mitgestalteten. Nach der offiziellen Zeugnisübergabe übergaben die Abiturienten Abschieds-Geschenke an ihre ehemaligen Lehrer. Im Anschluss an ein gemütliches Essen sorgte die Band „Breaking Distance“ für ausgelassene Stimmung. Durch das rund fünfstündige Programm führten die Moderatoren Fatma Dag und Piedro Abdolhian. Danach wurden weitere Gäste eingelassen und es wurde bis in die späte Nacht gefeiert, getanzt und gelacht.