Appell an die Kommunen: Sammelunterkünfte meiden

Hamminkeln sucht neue Möglichkeiten. Im Bild die umstrittene Unterkunft Belenhorst in Ringenberg.Archivfoto:Weissenfels
Hamminkeln sucht neue Möglichkeiten. Im Bild die umstrittene Unterkunft Belenhorst in Ringenberg.Archivfoto:Weissenfels
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Was wir bereits wissen
Wohlfahrtsverbände wehren sich gegen Ghettos. Sie fordern, die Flüchtlinge schnell im Quartier unterzubringen, wo sie Teil der Nachbarschaft sind. Vieles sei möglich

Kreis Wesel..  Im Grunde sind sie sich einig, die Vertreter von Awo, Caritas, dem Paritätischen, dem DRK und der Diakonie, die sich zur Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände im Kreis Wesel zusammengetan haben: Heute sind die Menschen am Niederrhein offener für Flüchtlinge, bereit, zu helfen. Aber: „Wir lehnen große Unterkünfte ab“, erläutert Bernhard Scheid, Geschäftsführer des Awo-Kreisverbandes Wesel. Sie führen zu Angst und Ablehnung der Menschen rundherum. „Es muss gelingen, kleinere Einheiten zu schaffen“, trotz des Drucks durch immer mehr Flüchtlinge, die auf die Kommunen zukommen.

Flüchtlinge sind Chefsache

Während die Verbände sich um Sozialarbeit, Beratung, ehrenamtliche Hilfe und mehr kümmern, sehen sie eine Aufgabe bei den Kommunen, die Unterbringung. „Die Bürgermeister sind in der Pflicht. Sie müssen auf die Wohnungsgesellschaften und großen Vermieter vor Ort einwirken“, sagt Rainer Tyrakowski-Freese, Geschäftsführer des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis Moers. Es ärgert ihn, dass die Städte nicht die richtigen Prioritäten setzen. So appelliert er am Beispiel an Neukirchen-Vluyn, „füllt die Unterkunft Am Hugen­graben nicht weiter“. Auch Hamminkeln ist keine gute Lösung, sind sich die Verbandsvertreter einig. Die Kommunen täten sich keinen Gefallen. Und - dem stimmt Hartmut Hohmann, Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes zu - Sammelunterkünfte seien nicht preiswerter zu haben als angemieteter Wohnraum.

Beispiele Wesel und Dinslaken

Als beispielhaft lobt Bernhard Scheid die Stadt Wesel und ihre Bemühungen, privaten Wohnraum für Flüchtlinge zu besorgen und auf die Vermieter einzuwirken. Michael van Meerbeck, Caritasdirektor der Dekanate Dinslaken und Wesel, lobt auch die Stadt Dinslaken, die in die Fliehburg investiert. Beim aktuellen Ansturm sei das vernünftig, man müsse nur dafür sorgen, dass die Menschen schnell aus diesen Unterkünften heraus in die Quartiere umsiedeln.

Zwar wollen die Flüchtlinge zurück in die Heimat - so schnell werde sich das aber nicht bewerkstelligen lassen. „Viele werden auch dauerhaft bleiben“, so van Meerbeck mit Blick auf den demografischen Wandel. Daher die Forderung: Kinder müssen umgehend in Schulen und Kindergärten, Jugendliche möglichst schnell in Ausbildung gebracht werden. Es fehlt an Fachpersonal für die traumatisierten Menschen. Und es fehlt an angemessenem Platz für Kinder.