„Ansteckend und motivierend“
13.02.2011 | 20:58 Uhr 2011-02-13T20:58:00+0100
Hamminkeln.Ministerin Sylvia Löhrmann war zu Gast beim späten, aber elanvollen Neujahrsempfang der Hamminkelner SPD , der die Schulpolitik zum Thema hatte.
Bei den Neujahrsempfängen als Letzte an der Reihe - dafür aber das i-Tüpfelchen, meinte Bruno Lipkowsky, Vorsitzender des SPD-Stadtverbandes, gestern im gut gefüllten Saal der Dingdener Gaststätte Hoffmann. Damit lag er nicht falsch. Die Gäste erlebten eine schnörkellos-sachliche Schulministerin, einen engagierten Staatssekretär und einen zu neuem Elan ermutigten Landrat. Und dass die Wirtin passend zum Thema ein Lied vortrug, hatte selbst der prominente Gast Sylvia Löhrmann gewiss kaum zuvor erlebt.
Wichtig für den
ländlichen Raum
„Ein toll gewähltes Thema genau zur richtigen Zeit und das derzeit wichtigste - auch für die Kommunalpolitik“, lobte Landrat Dr. Ansgar Müller seine Genossen und zugleich die Stadt Hamminkeln dafür, dass man das Thema Bildung frühzeitig anpacke. Das sei zentrales Zukunftsthema auch für den ländlichen Raum, der nur dann Menschen halte und locke, wenn Bildungsabschlüsse möglich seien, meinte NRW-Staatssekretär Dr. Ulrich Krüger, der zudem schnelle Breitbandverbindungen und den auch vom Landtagsabgeordneten Norbert Meesters angesprochenen Schutz vor Betuwe-Lärm in die Aufgaben-Skala für die Region einbezog. Und so hatte es auch manche Nicht-SPD-ler zur „grünen“ Ministerin ins rote Forum gelockt. Lipkowsky: „Weltoffener kann man nicht sein.“
Statt Gesamtideologie
Lösungen vor Ort
Der stellvertretende Bürgermeister Bernd Störmer ehrte langjährige SPD-Mitglieder, von denen nicht alle dabei sein konnten. Für 50 Jahre Frieda Tenbrink, für 40 Jahre Walter Bussmann, Rolf Schell, Horst Schwarz, Siegfried Held und Heinrich Möllenbeck, für 25 Jahre Helga Hoffmann, Karin und Hans-Peter Hochstein, Petra Nienhaus, Barbara Schäfers und Heidi Sebode. Gedacht wurde des ebenfalls langjährigen Mitgliedes Kurt Latzke, der im Januar starb.
Birgit Hoffmann sang zur Band-Begleitung Reinhard Meys Lied vom Zeugnistag, und dann kam Sylvia Löhrmann ohne leere Rhetorik zum Thema. Sie erläuterte die neue Schulpolitik der neuen Landesregierung: die „Systemfalle“, wonach sich die Kinder der Schule anpassen müssten, während es umgekehrt sein sollte, und den Ansatz, weg vom starren, ideologiebefrachteten Schulgesamtkorsett und hin zu Vor-Ort-Lösungen, zu denen einzelne, oft mit Preisen bedachte Schulen mutig und beispielhaft anregten, indem sie Freiräume nutzten.
Keine „Pädagogik der Beliebigkeit“ sei damit gemeint,und Leistungen stünden nicht zur Disposition. Es brauche mehr Chancen, zu einem qualifizierten Abitur zu kommen. Der Name des so entwickelten Schulsystems sei gleichgültig. Hauptsache, das Vor-, Aus- und Einsortieren von Schülern höre auf.
Längeres gemeinsames Lernen und von den Eltern geforderte gymnasiale Standards zeichneten die Gemeinschaftsschulen, inzwischen „ein Markenzeichen der neuen Regierung“ gegenüber dem Modell der regionalen Mittelschule aus, sagte Löhrmann. Über die bewilligten Gemeinschaftsschulgründungen hinaus lägen Anfragen vor und Anträge „in den Schubladen“. Sie spüre eine „Aufbruchstimmung für Schulen, die es noch gar nicht gibt“. Das sei „ansteckend und motivierend“.
Reformen
für G 8
Da die meisten weiterführenden Schulen an der verkürzten Schulzeit festhalten, arbeite die Regierung an einer Reform, um sie zu verbessern.
Das Land sorge für Rahmen und Standards in punkto Qualität und Vergleichbarkeit. Schulen und Städten würden mehr Handlungs- und Entscheidungsmöglichkeiten gegeben, fasste die Ministerin zusammen. Das erfordere Geduld und Zeit. Aber wie SPD und Grüne beim Thema gemeinsames Lernen von behinderten und nicht behinderten Kindern an allgemeinen Schulen die Unterstützung der CDU erfahren hätten, sei sie zuversichtlich, vielleicht auch „einen Konsens für ein Schulkonzept auf Landesebene zu finden“. Der Beifall war lang.
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