„Annette, spielst du mit?“

Annette Ulland mit dem Müll, den die Jugendlichen in ihrem Upcycling-Projekt verarbeiten.
Annette Ulland mit dem Müll, den die Jugendlichen in ihrem Upcycling-Projekt verarbeiten.
Foto: FUNKE Foto Services / Gerd Herma
Was wir bereits wissen
Das Jugendheim Damm in Schermbeck wird 50. Fast die Hälfte der Zeit hat Annette Ulland geprägt.

Schermbeck/Hünxe..  Ein besseres Geschenk hätte es nicht geben können. Zum 50. Geburtstag hat die evangelische Kirchengemeinde Drevenack ihrem Jugendheim in Damm eine Frischekur spendiert. Während allüberall gespart wird, jubeln die Dammer nun über ihren neuen Saal, der nach einem halben Jahrhundert Jugendarbeit doch ziemlich in die Jahre gekommen war. Neu sind nicht nur die bunten Stühle, die quietschgelben Sofas und die warme Holzoptik auf dem Fußboden. Zum ersten Mal hat das Jugendheim vom Hauptraum aus auch eine Tür zum großen Außengelände und ist barrierefrei erreichbar. Letzteres hat die Aktion Mensch möglich gemacht.

Allerdings ist nicht nur das gut, was neu ist. Kicker, Billardtisch, Discokugel – Manches gehört zu einem Jugendheim einfach immer dazu. In Damm trifft das auch auf Annette Ulland zu. Was jetzt natürlich nicht heißen soll, dass die Frau mit der dunklen Kurzhaarfrisur zum alten Eisen gehört. Annette Ulland lacht. „Ich bin ja auch wirklich schon seit 22 Jahren hier.“ Manchmal ist sie selber noch erstaunt darüber, dass sie die Kinder- und Jugendarbeit schon seit 1993 leitet. Als Pastor Joppien sie damals in einer Notsituation gefragt hatte, ob sie den Job übernehmen würde, da hat Annette Ulland gedacht, dass sie das bestimmt nicht lange machen wird. „Und jetzt kommen schon meine Jugendlichen von damals mit ihren Kindern zu mir.“

Kunst aus Kaffeekapseln

Kindergruppe, Jugendgruppe, Mädchengruppe, offener Treff – gemeinsam mit ehrenamtlichen Mitarbeitern wie zurzeit Anna und Friederike stemmt die 52-Jährige die Freizeitgestaltung des Dammer Nachwuchses. „Hier gibt es ja sonst nichts. Keine Eisdiele, keinen Marktplatz.“ Also kommen die Kinder, Teenies und sogar die fast schon Erwachsenen seit 1965 in das Haus am Elsenberg. „Annette, spielst du mit?“ Zwischendurch hatte die Leiterin der Jugendarbeit mal die Sorge, dass sie mit zunehmendem Alter irgendwann mal nicht mehr so richtig dazu gehören würde. „ Das ist zum Glück überhaupt nicht so.“ Im Gegenteil. Ein Kickerturnier ohne Annette ist kein Kickerturnier.

Zurzeit steckt das Team übrigens im großen „Upcycling-Projekt“. So lernen die kleinen und größeren Besucher passend zur Renovierung den Wert von Gegenständen zu schätzen. Um der Wegwerfwelle entgegenzuwirken, wird Müll in den verschiedensten Formen aufgepeppt. Kunst aus verbrauchten Kaffeekapseln, ein Tisch aus Autoreifen und sogar eine alte Kirchenbank wird umgestaltet.

Für manche Projekte braucht das Jugendheim auch Unterstützung. „Die Zusammenarbeit mit den Eltern ist toll“, sagt Annette Ulland. „Wen wir einen Ausflug machen, fragt immer jemand, ob wir einen Fahrer brauchen.“ Aktuell wird allerdings etwas ganz anderes benötigt: „Nähen kann ich leider nicht“, sagt die 52-Jährige. Und da aus den gesammelten Müllwerken auch Kleidungsstücke oder Taschen entstehen sollen, wird jemand benötigt, der gut mit der Nähmaschine umgehen kann.

Ein Fest zum halben Jahrhundert Jugendheim Damm wird es übrigens auch noch geben. Für Ende September ist eine große Geburtstagsfeier geplant.