Als sich der Himmel über Wesel verdunkelte

Rainer Sensken mit dem Bild seines Elternhauses, das einst am Schafweg 168 - heute „In der Luft“ - stand. Es hat den Krieg überstanden, wurde aber vor etwa fünf Jahren abgerissen.
Rainer Sensken mit dem Bild seines Elternhauses, das einst am Schafweg 168 - heute „In der Luft“ - stand. Es hat den Krieg überstanden, wurde aber vor etwa fünf Jahren abgerissen.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Mitte Februar 1945 wurde die alte Hansestadt durch Bomben nahezu komplett zerstört. Die NRZ startet ihre Serie „70 Jahre danach“ mit dem Zeitzeugen Rainer Sensken.

Wesel..  Rainer Sensken war fünf Jahre alt, als die britischen Bomber den Himmel über Wesel verdunkelten. Der kleine Junge, der zusammen mit seiner Mutter Änne und den beiden Geschwistern Wilhelm und Irma in einem Kotten am Schafweg 168 (heute: In der Luft) in Obrighoven wohnte, kannte die Prozedur schon lange: Immer, wenn es Fliegeralarm gab, verschwanden die vier im nahe gelegenen Bagelwald. In den dortigen Schützengräben fühlten sie sich zumindest halbwegs sicher. Der Vater war im Krieg, der Rest der Familie blieb in der Heimatstadt. Während viele Wesel längst verlassen hatten, erlebten die Senskens die zerstörerischen Angriffe am 16. Februar 1945 hautnah mit.

Rainer Sensken, heute 75 Jahre alt, erinnert sich noch gut daran, dass so manches Mal Bäume samt Wurzeln durch die Wucht der Bomben meterweit in die Höhe katapultiert wurden und einige Bombentrichter gewaltige Ausmaße annahmen. Einer davon befand sich etwa 20 Meter neben seinem Elternhaus, das am Ende zwar keine Dachpfannen und keine Fensterscheiben mehr hatte, aber komplett zerstört worden war es nicht. Und so wurde alles notdürftig geflickt, bevor es für etwa ein Jahr auf einen Bauernhof in Schermbeck-Dämmerwald ging. Wo genau das war, das wüsste Rainer Sensken heute gern. Doch er kann es nicht sagen. „Viele sind ja schon verstorben, ich habe keine Ahnung, wo ich forschen soll.“

Auch heute denkt er noch oft an das Haus in Obrighoven, zu dem etwa 6000 Quadratmeter Grund gehörten, auf denen eine Kuh und fünf Schweine ihren Platz hatten. „Mein Vater war Elektriker, die kleine Landwirtschaft war ein Nebenerwerb“, sagt er. Vor fünf Jahren sei sein Elternhaus abgerissen worden.

Jahrelang habe er immer Probleme gehabt, wenn in der Silvesternacht lautstarke Böller explodierten. Denn immer fühlte er sich an die schrecklichen Bombardements in seiner Kindheit erinnert. Damals war er oft an der nahe gelegenen Pollmannskate zu finden. Das Kieselmosaik daraus ziert übrigens heute den Eingangsbereich des Weseler Centrums an der Ritterstraße.

Aus seiner Familie stammt auch das Gedicht „Alt-Wesels letzter Tag“ von Karl Westermann, das er sich immer wieder mal durchliest: