Als Hamminkeln Stadt wurde

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Hamminkeln..  Hamminkeln ist groß. 164 Quadratkilometer. Sieben Dörfer finden in dieser Fläche Platz. Gemeinsam bilden sie eine Stadt - seit mittlerweile 20 Jahren. Sind sie in zwei Jahrzehnten zusammengewachsen? Ist Hamminkeln städtischer geworden?

Am 1. Januar 1995, als Hamminkeln Stadt wurde, hatten die sieben Ortsteile Hamminkeln, Brünen, Dingden, Loikum, Marienthal, Mehrhoog und Wertherbruch bereits 20 gemeinsame Jahre nach der Kommunalreform hinter sich. 1975 überspannte das „gemeinsame Dach“ 19 000 Einwohnerinnen und Einwohner. 25 000 waren es 1990. Dennis Schneiders war der 25 000. und erhielt zum Dank 25 000 Pfennige und als Vierjähriger einen Teddybären. Die magische Stadtwerdungsgrenze war erreicht, aber bis der bürokratische Akt der Umsetzung griff, wurde es 1995. Da lag die Einwohnerzahl schon bei 26 600.

Ringenberg wurde kurzfristig zur Stadtmitte: Drei Tage lang wurde in einem großen Zelt am Schloss gefeiert. Es gab eine Disko für die Jugend, Kaffee und Kuchen für die Älteren und eigens einen Bus-Pendelverkehr. Die Vereine aus den Ortsteilen trugen zum Festprogramm bei, präsentierten zum Stadtbier und Stadtkorn ein neues Stadtlied. 1500 Menschen erlebten als Höhepunkt einen Silvesterball mit Feuerwerk. „Das war ganz toll“, erinnert sich Marlies Arnold, Mehrhoogerin und lange Jahre Ratsmitglied, an die Festtage. Obwohl die Heizung im Zelt ausfiel. So ganz geläufig war das Stadt-Sein gleichwohl noch nicht: Laut Festprogramm stellte sich die „Stadtgemeinde“ vor.

Stadtdirektor für kurze Zeit

1995 war der vor 14 Jahren gestorbene Heinrich Meyers Bürgermeister, dem die damalige Raiffeisenbank zur Feier der Stadtwerdung die Amtskette spendierte. Bruno Gerwers avancierte schlagartig vom Gemeinde- zum Stadtdirektor, was vielleicht anspruchsvoller klang, aber geändert habe sich für ihn jedenfalls kaum etwas, sagt er rückblickend. Er war nicht nur Hamminkelns erster, sondern auch einziger und letzter Stadtdirektor, denn diese Aufgabe gab es bald nicht mehr, als die Verwaltungsleitung mit dem Bürgermeisteramt zusammengefasst wurde.

Hamminkeln, so Gerwers, sei nicht städtischer geworden, aber das habe man auch nicht gewollt: Die sieben Ortsteile sollten ihren Charakter bewahren, beim Erhalt und der Entwicklung eigenständiger Strukturen gefördert werden. „Wahren Sie das Erbe Ihrer Dörfer“, gab der damalige Innenminister Herbert Schnoor den Hamminkelnern mit auf den Weg.

Hamminkelns jetziger Bürgermeister Holger Schlierf entdeckt zwar „nichts typisch Städtisches“, sieht aber durchaus Effekte der Stadtwerdung. „Ohne Stadt wäre vieles nicht passiert“, sagt er. Aufbruchstimmung habe 1995 geherrscht. Die Grundschulen in Dingden und Mehrhoog wurden renoviert, das Schloss saniert, die Kläranlage erweitert. 28 Millionen D-Mark an städtischen Investitionen - das war „der größte Schluck, den ich je mitgemacht habe“, so Schlierf. Den damaligen 100 Millionen Mark im Verwaltungs- und Vermögenshaushalt der Stadt stehen heute vergleichsweise 49 Millionen Euro gegenüber. „Am Volumen hat sich also nicht viel geändert“, sagt der Bürgermeister.

Geändert hat sich, dass Hamminkeln als Stadt Baugenehmigungen erteilen und Schilder aufstellen durfte. Auf ein eigenes Jugendamt verzichtete man und erwirkte , dass die Feuerwehr weiterhin eine freiwillige bleiben durfte.

Schlierf: Selbstbewusster geworden

„Wir sind selbstbewusster geworden“, stellt Holger Schlierf fest. Der Slogan „Junge Stadt mit Zukunft“ drücke Stolz aus. Die Einheit der Stadt hat sich oft quasi schleichend entwickelt. In der Lokalpolitik ist das spürbar, wo zwar darauf geachtet wird, dass jeder Ortsteil im Rat vertreten ist, aber statt neidvoller Abgrenzungen mehr gegenseitiges Interesse herrscht.

In vielen Bereichen, wie beim Tourismus, kommt man nur gemeinsam voran. Die demografische und natürlich die finanzielle Entwicklung erfordern gemeinsame Lösungen, wie etwa bei den Schulen. Dass die Gewerbevereine kooperieren, freut den Bürgermeister. „Man hat verstanden“, stellt er generell fest: „Wir Hamminkelner sitzen in einem Boot.“