Alles für den Steinkauz

Die Nabu ließ in Diersfordt einen Steinkauz frei und stellte neue Steinkauznisthoehlen auf – von links: Peter Malzbender (Nabu), Susann Schuermann und ihre Neffen Ole und Jasper.
Die Nabu ließ in Diersfordt einen Steinkauz frei und stellte neue Steinkauznisthoehlen auf – von links: Peter Malzbender (Nabu), Susann Schuermann und ihre Neffen Ole und Jasper.
Foto: FUNKE Foto Services / Gerd Herma
Was wir bereits wissen
Naturschutzbund startet spezielles Projekt in Bislich. Weitere Ortsteile sollen folgen.

Wesel..  Mit seinem braun-weiß getupften Gefieder und den großen, hellen Augen, die ihm stets einen etwas skeptischen Ausdruck verleihen gehört er an den Niederrhein, wie Kopfweiden und Auenlandschaft: Der Steinkauz.

Denn einst fand er hier seinen bevorzugten Lebensraum – weitläufige Weideflächen mit altem Obstbaumbestand. Doch mit ihrem Rückgang, verliert die kleinste Eule Deutschlands ihr wichtigstes Habitat. Um die Art und ihren spezifischen Lebensraum zu erhalten setzt sich deshalb die NABU-Kreisgruppe (Naturschutzbund) Wesel ein.

Streuobstwiese

Im Rahmen dieses Steinkauz-Projekts wurden am Samstagvormittag an geeigneter Stelle im Bereich Bislich/Diersfordt zwei Nistkästen angebracht. Es handelt sich um einen Privatgarten, der sich mit rund einem Hektar Streuobstwiese als Steinkauz-Wohnraum geradezu anbietet. „Der Steinkauz bevorzugt die halboffene Landschaft, Weideflächen mit Hochbäumen“, erläutert der Vorsitzende der Nabu-Kreisgruppe Wesel, Peter Malzbender.

„Das schlimmste ist, wenn die Wiese nicht kurz genug ist, dann kommt er nicht an Futter.“ Doch auch die Bäume müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllen: Alt und dick sollten sie sein – und hohl. Deshalb betreibt der NABU auch regelmäßig Kopfbaumpflege: „Der Pilzbefall, der dabei an den Schnittstellen entsteht, sorgt für die Aushöhlung“, so Malzbender weiter.

Allerdings dauert es mehrere Jahrzehnte, gut 50 Jahre, bis ein Baum groß und ausgehöhlt genug ist, so dass ein Steinkauz sich in ihm wohl fühlt. Bis es soweit ist, dienen die Nistkästen als Übergangslösung. „Ich bin gegen eine Möblierung der Landschaft! Die Nistkästen sorgen nur dafür, dass die Population stabil bleibt“, stellt Peter Malzbender klar.

Doch das Aufhängen der Kästen stellt nur einen kleinen Teil des wesentlich umfangreicheren Steinkauz-Projekts dar. Das gesamte Stadtgebiet Wesels wird dabei auf geeignete Brutgebiete hin untersucht, bereits vorhandene Brutpaare werden gezählt und es wird beobachtet, wie erfolgreich sie Nachwuchs bekommen und aufziehen. Des weiteren wird die Struktur der Habitate analysiert: Welche Pflanzen müssen optimiert, welche Gefahren entschärft werden?

„Wir haben eine nationale Aufgabe!“, betont NABU-Chef Malzbender, denn der Steinkauz gilt in Deutschland als stark gefährdet. Rund 70 Prozent aller Brutpaare leben in Nordrhein-Westfalen und zwei Drittel davon in den Kreisen Wesel und Kleve.

Attraktive Weseler Aue

Seinen Anfang nimmt das Projekt aktuell in Bislich, wo bereits sechs Landwirte zugestimmt haben, dass die Weseler NABU-Gruppe in ihren Wiesen nach Steinkäuzen suchen und die Bedingungen für die kleinste Eule optimieren darf: „Alle, die ich bisher angesprochen habe, hatten ein offenes Ohr“, freut sich Peter Malzbender über die positiven Reaktionen.

Sind die Projekt-Maßnahmen in Bislich abgeschlossen, soll es in den benachbarten Stadtteilen weitergehen. Der NABU-Vorsitzende weiß, im Stadtgebiet gibt es viele Stellen, die für den Steinkauz attraktiv sind: „In der Weseler Aue, in Perrich/Werrich, da sitzen überall Steinkäuze.“